A
- Abkochung
In der Phytotherapie greift man zur Abkochung, wenn sich die Inhaltsstoffe durch bloßen Kontakt mit heißem Wasser nicht ausreichend lösen. Das Material wird mit Wasser angesetzt, eine Zeit lang im Sieden gehalten und danach abgeseiht; die gewonnene Flüssigkeit heißt Dekokt. Vom Aufguss unterscheidet sich die Abkochung durch das gemeinsame Kochen, das widerstandsfähigere Stoffe herauslöst, hitzeempfindliche Substanzen aber zerstören kann.
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Teedrogen
- akzeptierter Name
Welcher Name akzeptiert ist, hängt sowohl von den Nomenklaturregeln ab, etwa der Priorität der Veröffentlichung, als auch von der taxonomischen Auffassung der jeweiligen Referenzdatenbank, sodass zwei Datenbanken zeitweise voneinander abweichen können. Für die in Brasilien heimischen Arten gilt die Flora e Funga do Brasil als Referenz, international werden meist Plants of the World Online und World Flora Online herangezogen.
Siehe auch: Synonym, wissenschaftlicher Name
Quelle: World Flora Online
- Alkaloid
Die meisten Alkaloide enthalten Stickstoff in einem heterocyclischen Ring und leiten sich von Aminosäuren ab. Bekannte Beispiele sind Chinin, Coffein, Morphin und Nicotin. Viele entfalten schon in kleinen Mengen eine Wirkung im Körper, und einige sind giftig, weshalb eine sichere Bestimmung der Pflanze und Vorsicht bei der Anwendung unerlässlich sind. Die Eigenschaften unterscheiden sich von Verbindung zu Verbindung erheblich.
Siehe auch: Glykosid, sekundärer Pflanzenstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Anthocyan
Anthocyane sind Glykoside von Anthocyanidinen wie Cyanidin, Delphinidin und Malvidin und liegen gelöst in der Vakuole der Zellen vor. Ihre Farbe ändert sich mit dem Säuregrad: Im sauren Bereich neigt sie zu Rot, bei höherem pH-Wert zu Blau oder Grün, weshalb sich Auszüge mit hohem Anthocyangehalt als pH-Indikator eignen. Die Verbindungen reagieren empfindlich auf Licht, Sauerstoff und Wärme, was die Farbe von Auszügen und Lebensmitteln bei Lagerung und Zubereitung beeinflusst.
Siehe auch: Carotinoid, Flavonoid, Glykosid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- aromatisch
In der Botanik heißt eine Pflanze aromatisch, wenn sie flüchtige Duftstoffe bildet und speichert, vor allem Phenylpropanoide und Terpene, die Hauptbestandteile ätherischer Öle. Diese Stoffe liegen in spezialisierten Strukturen, etwa in Drüsenhaaren der Blätter, Exkretgängen in Spross und Wurzel oder Öldrüsen der Fruchtschale, und werden frei, wenn das Gewebe zerrieben oder erwärmt wird. Familien wie Apiaceae, Lamiaceae und Myrtaceae umfassen viele aromatische Arten. In der organischen Chemie meint aromatisch dagegen Verbindungen mit einem Ringsystem wie dem des Benzols, unabhängig vom Geruch.
Siehe auch: Blütenstand, krautig
Quelle: Terminologie der Nutzpflanzenkunde
- Art
In der Botanik wird eine Art durch das Binom bezeichnet, also den Gattungsnamen und ein klein geschriebenes Epitheton, etwa Matricaria chamomilla. Über die Abgrenzung einer Art herrscht nicht immer Einigkeit, und taxonomische Revisionen können Arten im Lauf der Zeit aufspalten oder zusammenlegen. In der Phytotherapie ist die korrekte Bestimmung entscheidend, denn Pflanzen derselben Gattung können sich in ihrer chemischen Zusammensetzung stark unterscheiden.
Siehe auch: Gattung, Unterart, wissenschaftlicher Name
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
- Arzneibuch
Viele Länder und Regionen haben ein eigenes Arzneibuch, etwa das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.), das in Deutschland durch das Deutsche Arzneibuch (DAB) und das Homöopathische Arzneibuch (HAB) ergänzt wird, oder die United States Pharmacopeia. Für pflanzliche Drogen beschreiben Arzneibuchmonographien botanische Merkmale, Grenzwerte für Verunreinigungen, Identitätsprüfungen und Mindestgehalte an Leitsubstanzen, womit sich echtes von verfälschtem Material unterscheiden lässt.
Siehe auch: Heilpflanze, Monographie
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.); Deutsches Arzneibuch (DAB)
- ätherisches Öl
Ätherische Öle bestehen vor allem aus Monoterpenen, Phenylpropanoiden und Sesquiterpenen, die in Drüsenhaaren, Exkretbehältern und Sekretkanälen von Blättern, Blüten, Früchten und Rinden gespeichert werden. Trotz der Bezeichnung Öl sind sie keine Fette und verdunsten, ohne einen Fleck zu hinterlassen. Ihre Zusammensetzung hängt von Art, Chemotyp und Gewinnungsverfahren ab. Es handelt sich um konzentrierte Produkte, und mehrere Bestandteile können die Haut reizen oder bei Einnahme giftig sein, daher sollte eine innerliche Anwendung nicht ohne fachliche Beratung erfolgen.
Siehe auch: sekundärer Pflanzenstoff, Terpenoid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Aufguss
In der Phytotherapie dient der Aufguss vor allem für zarte Pflanzenteile, deren aromatische und flüchtige Bestandteile bei längerem Kochen verloren gingen. Anders als bei der Abkochung wird das Material nicht mit dem Wasser gekocht, und anders als bei der Mazeration kommt Wärme zum Einsatz. Wer das Gefäß während der Ziehzeit abdeckt, verringert den Verlust flüchtiger Stoffe mit dem Dampf. Umgangssprachlich heißt das Ergebnis Tee, fachlich Aufguss oder Infus.
Siehe auch: Abkochung, Mazeration, Tee
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Teedrogen
- ausdauernd
Ausdauernde Pflanzen leben länger als zwei Jahre, doch bei vielen Arten sterben die oberirdischen Teile in der Trockenzeit oder im Winter ab, während Rhizome, Wurzeln oder Zwiebeln im Boden überdauern und in der günstigen Jahreszeit wieder austreiben. Bäume und Sträucher sind stets ausdauernde Gehölze, daneben gibt es zahlreiche ausdauernde krautige Pflanzen, die man als Stauden bezeichnet. Den Gegensatz bilden einjährige und zweijährige Pflanzen, deren Leben nach einer einzigen Fruchtbildung endet.
Siehe auch: einjährig, krautig, zweijährig
Quelle: botanisches Standardglossar
B
- Basionym
Wird eine Art in eine andere Gattung gestellt, bleibt das ursprüngliche Epitheton meist erhalten und bildet mit dem neuen Gattungsnamen eine neue Kombination. Der Ausgangsname heißt dann Basionym, und sein Autor erscheint im neuen Namen in Klammern. Bei Picea abies (L.) H.Karst. etwa ist das Basionym Pinus abies L., beschrieben von Linné.
Siehe auch: akzeptierter Name, Synonym
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
- Blütenstand
Als Blütenstand bezeichnet man die Anordnung der Blüten an der Pflanze, wenn sie nicht einzeln stehen. Der Stiel, der den gesamten Blütenstand trägt, heißt Blütenstandsstiel oder Pedunculus, die blütentragende Hauptachse Rhachis. Die Typen unterscheiden sich nach der Reihenfolge, in der sich die Blüten öffnen, und nach der Gesamtform, etwa Ähre, Dolde mit von einem Punkt ausgehenden Blütenstielen, Köpfchen, das viele kleine Blüten auf einem Blütenboden vereint und wie eine Einzelblüte wirkt, und Traube. Der Blütenstandstyp gehört zu den Merkmalen, nach denen man Pflanzenfamilien bestimmt.
Siehe auch: aromatisch, krautig
Quelle: Terminologie der Pflanzenbestimmung
C
- Carotinoid
Carotinoide sind Tetraterpenoide mit vierzig Kohlenstoffatomen. Man unterscheidet die Carotine, die nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen, wie Alpha-Carotin, Beta-Carotin und Lycopin, von den sauerstoffhaltigen Xanthophyllen wie Lutein und Zeaxanthin. In grünen Blättern wird ihre Farbe vom Chlorophyll überdeckt und tritt erst hervor, wenn dieses abgebaut wird. Einige Carotinoide sind im menschlichen Körper Vorstufen von Vitamin A, und die untersuchten Eigenschaften unterscheiden sich von Verbindung zu Verbindung.
Siehe auch: Anthocyan, Terpenoid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Cumarin
Zur Klasse gehören einfache Cumarine, Furanocumarine und Pyranocumarine, mit Beispielen wie dem Cumarin selbst, Psoralen, Scopoletin und Umbelliferon. Verbreitet sind sie etwa in den Familien Apiaceae, Fabaceae und Rutaceae. Manche Furanocumarine lösen auf sonnenexponierter Haut Reaktionen aus, und natürliches Cumarin darf nicht mit Gerinnungshemmern vom Cumarintyp wie Warfarin verwechselt werden, bei denen es sich um synthetisch abgewandelte Moleküle handelt.
Siehe auch: Glykosid, sekundärer Pflanzenstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
D
- Dosierung
Fachinformation und Packungsbeilage legen die Dosierung eines Arzneimittels fest, die sich häufig nach Alter, Erkrankung und Körpergewicht richtet. Umgangssprachlich werden Dosis und Dosierung oft gleichgesetzt, fachlich meint die Dosis jedoch nur die einzelne Gabe. In der Phytotherapie gilt eine Dosierungsangabe nur für die konkret beschriebene Zubereitung und lässt sich nicht auf eine andere Zubereitungsform oder Konzentration derselben Pflanze übertragen.
Siehe auch: Dosis
Quelle: pharmakologisches Standardglossar
- Dosis
In der Pharmakologie ist die Dosis die pro Einnahme verabreichte Menge, während die Dosierung das gesamte Anwendungsschema mit Häufigkeit und Dauer beschreibt. Bei pflanzlichen Zubereitungen hängt die Dosis von der Darreichungsform, der Konzentration des Extrakts und dem verwendeten Pflanzenteil ab, sodass Angaben für eine Zubereitung nicht auf eine andere übertragbar sind. Der Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis, die therapeutische Breite, ist je nach Stoff verschieden, was die Dosis zu einem zentralen Sicherheitsfaktor macht.
Siehe auch: Dosierung, Toxizität
Quelle: pharmakologisches Standardglossar
E
- eingebürgert
Als eingebürgert gilt eine gebietsfremde Pflanzenart, die der Mensch absichtlich eingeführt oder unbeabsichtigt verschleppt hat und die sich außerhalb von Kulturen etabliert. Sie vollendet ihren Lebenszyklus selbstständig und bildet Bestände, die über mehrere Generationen bestehen bleiben. Damit unterscheidet sie sich von einer bloß kultivierten Art, die sich ohne Pflege nicht hält, und von einer einheimischen Art, die auf natürlichem Weg ins Gebiet gelangt ist. Nicht jede eingebürgerte Art ist invasiv, so heißen nur Arten, die sich stark ausbreiten und die besiedelten Lebensräume verändern.
Siehe auch: einheimisch, invasiv
Quelle: Terminologie der Invasionsbiologie
- einheimisch
Eine Pflanzenart gilt in einem Gebiet als einheimisch oder autochthon, wenn sie durch natürliche Evolution und Ausbreitung, ohne Transport durch den Menschen, zur dortigen Flora gehört. Der Begriff bezieht sich immer auf ein bestimmtes Gebiet, und dieselbe Art kann auf einem Kontinent einheimisch und auf einem anderen eingeführt sein. Einheimisch heißt nicht, dass die Art nur dort vorkommt, denn eine in Brasilien heimische Art kann auch in Nachbarländern wachsen. Ist das natürliche Areal auf ein einziges Gebiet beschränkt, spricht man von einer endemischen Art.
Siehe auch: eingebürgert, endemisch, invasiv
Quelle: Terminologie der Pflanzengeographie
- einjährig
Botanisch gilt eine Pflanze als einjährig, wenn sie innerhalb von höchstens einem Jahr, oft sogar in wenigen Monaten, von der Keimung über die Samenbildung bis zum Absterben gelangt. Den Fortbestand der Art sichern allein die Samen, die die ungünstige Jahreszeit im Boden überdauern. Viele Ackerwildkräuter und Blattgemüse sind einjährig. Manche ausdauernden Arten warmer Klimazonen werden in Gegenden mit strengen Wintern einjährig kultiviert, was die Kulturpraxis betrifft und nicht die Biologie der Pflanze.
Siehe auch: ausdauernd, zweijährig
Quelle: botanisches Standardglossar
- endemisch
Endemisch ist eine Art, die von Natur aus nur in einem klar umgrenzten Gebiet vorkommt, sei es ein einzelner Berggipfel, ein Biom oder ein ganzes Land. Jede endemische Art ist in ihrem Gebiet einheimisch, aber nicht jede einheimische Art ist endemisch. Endemiten sind in Gebirgen, auf Inseln und in anderen isolierten Lebensräumen häufig, und Arten mit sehr kleinem Areal sind oft besonders durch Lebensraumverlust gefährdet. Auch anderswo angebaut bleibt eine Pflanze in ihrer Heimat endemisch. In der Medizin meint endemisch dagegen das dauerhafte Auftreten einer Krankheit in einer Region.
Siehe auch: eingebürgert, einheimisch
Quelle: Terminologie der Pflanzengeographie
- Extrakt
Auszugsmittel und Konzentration bestimmen die Untertypen. Der wässrige Extrakt entsteht allein mit Wasser, wässrig-ethanolische Extrakte enthalten dagegen Alkohol, ebenso der Fluidextrakt, eine flüssige, konzentrierte Zubereitung mit meist demselben Lösungsmittel. Trockenextrakte entstehen durch vollständiges Verdampfen des Auszugsmittels und liegen als Pulver vor. Standardisierte Extrakte sind auf einen definierten Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe eingestellt, was den Vergleich von Chargen erlaubt.
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Extrakte aus pflanzlichen Drogen
F
- Familie
In der Rangfolge der Systematik steht die Familie zwischen Ordnung und Gattung. Familiennamen enden auf -aceae, doch der Nomenklaturcode lässt für einige Familien traditionelle Namen als gleichwertige Alternative zu, so Compositae für Asteraceae und Labiatae für Lamiaceae. Die Familienzugehörigkeit hilft, Verwandtschaften und Ähnlichkeiten im Inhaltsstoffspektrum zu erkennen, bedeutet aber nicht, dass Arten derselben Familie gleich verwendet werden können oder die gleichen Risiken bergen.
Siehe auch: Art, Gattung, Taxon
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
- Flavonoid
Das Grundgerüst besteht aus fünfzehn Kohlenstoffatomen in zwei aromatischen Ringen, die über einen zentralen Ring verbunden sind. Zur Klasse gehören Untergruppen wie Anthocyanidine, Flavan-3-ole, Flavanone, Flavone und Flavonole, mit bekannten Vertretern wie Apigenin, Catechin, Kaempferol und Quercetin. In der Pflanze sind sie an der Färbung und an der Filterung ultravioletter Strahlung beteiligt. Die pharmakologische Forschung untersucht sie intensiv, wobei sich die Eigenschaften von Verbindung zu Verbindung unterscheiden.
Siehe auch: Anthocyan, Gerbstoff, sekundärer Pflanzenstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
G
- Gattung
Die Gattung steht zwischen Familie und Art. Ihr Name ist ein latinisiertes Substantiv, das mit großem Anfangsbuchstaben und kursiv geschrieben wird und den ersten Teil des Binoms jeder Art bildet. Arten derselben Gattung teilen oft morphologische Merkmale, können sich in ihren Inhaltsstoffen aber deutlich unterscheiden, weshalb die Bestimmung bis auf Artebene weiterhin unverzichtbar ist.
Siehe auch: Art, Familie, wissenschaftlicher Name
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
- Gerbstoff
Gerbstoffe werden in zwei große Gruppen eingeteilt: hydrolysierbare Gerbstoffe, die sich von Ellag- und Gallussäure ableiten, und kondensierte Gerbstoffe, auch Proanthocyanidine genannt, die aus Flavan-3-ol-Einheiten aufgebaut sind. Ihre Fähigkeit, Proteine zu fällen, erklärt die historische Nutzung beim Gerben von Leder und das raue Mundgefühl bei schwarzem Tee oder unreifem Obst. In der pharmakologischen Forschung unterscheiden sich die Eigenschaften je nach Typ und Verbindung.
Siehe auch: Flavonoid, sekundärer Pflanzenstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Glykosid
Die Art des Glykosids wird durch das Aglykon bestimmt, weshalb man etwa von Anthrachinonglykosiden, cyanogenen Glykosiden, Flavonoidglykosiden oder Phenolglykosiden spricht. In älterer und romanischsprachiger Literatur findet sich dafür auch der Ausdruck Heterosid. Die Bindung an den Zucker macht die Verbindung meist besser wasserlöslich, und bei der Hydrolyse wird das Aglykon freigesetzt. Bekannte Beispiele sind Amygdalin, Rutin und Salicin.
Siehe auch: Anthocyan, Flavonoid, Saponin
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
H
- Heilpflanze
Die Bezeichnung knüpft an die Verwendung an und garantiert weder Wirksamkeit noch Unbedenklichkeit. Innerhalb einer Art können sich die Pflanzenteile in Gebrauch und Inhaltsstoffen deutlich unterscheiden, und manche sind giftig. Verwechslungen mit ähnlich benannten Pflanzen schließt nur der wissenschaftliche Name aus. Die getrocknete oder anderweitig haltbar gemachte Pflanze oder ihr Teil heißt pflanzliche Droge, und erst ein daraus hergestelltes, zugelassenes oder registriertes Fertigarzneimittel ist ein Phytopharmakon.
Siehe auch: Phytopharmakon, Phytotherapie, Toxizität
Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO), Leitlinien zu pflanzlichen Arzneimitteln; Richtlinie 2001/83/EG in der Fassung der Richtlinie 2004/24/EG
- Herbarium
Jedes Exemplar, Herbarbeleg genannt, trägt ein Etikett mit Bestimmung, Datum, Fundort und Sammler. Herbarien bewahren auch die Typusbelege auf, an die die Anwendung jedes wissenschaftlichen Namens gebunden ist. In der Arzneipflanzenforschung erlaubt ein hinterlegtes Belegexemplar der untersuchten Pflanze, die Bestimmung später zu überprüfen. In Brasilien unterhält der Botanische Garten von Rio de Janeiro eine der größten Sammlungen des Landes.
Siehe auch: Art, Taxon, wissenschaftlicher Name
Quelle: botanisches Standardglossar
I
- in vitro
In-vitro-Studien stehen auf der untersten Stufe der Evidenzhierarchie. Sie erlauben es, Mechanismen schnell und kostengünstig zu prüfen, doch die eingesetzten Konzentrationen und die isolierte Umgebung spiegeln selten wider, was im Körper mit Aufnahme, Ausscheidung und Verstoffwechselung geschieht. Ein In-vitro-Ergebnis ist deshalb ein Ausgangspunkt für weitere Forschung und kein Nachweis einer Wirkung beim Menschen. Das Gegenstück bilden In-vivo-Untersuchungen am lebenden Organismus, ob Mensch oder Tier.
Siehe auch: klinische Studie, wissenschaftliche Evidenz
Quelle: methodisches Standardglossar der evidenzbasierten Medizin
- invasiv
In der Ökologie gilt eine eingebürgerte gebietsfremde Art als invasiv, wenn sie sich weit über die Orte ihrer Einführung hinaus ausbreitet und Schäden verursacht, etwa Ertragseinbußen in der Landwirtschaft, Konkurrenz mit einheimischen Pflanzen oder Veränderungen von Boden und Feuerregime. Die Invasion ist die letzte Stufe eines Prozesses, der mit der Einführung beginnt und über die Einbürgerung führt, und nicht jede eingebürgerte Art erreicht sie. Unerwünschte Pflanzen auf dem Acker, auch einheimische, heißen dagegen Beikräuter oder Unkräuter. In der Medizin hat invasiv eine andere Bedeutung.
Siehe auch: eingebürgert, einheimisch
Quelle: Terminologie der Invasionsbiologie
K
- Kapsel
Hartkapseln nehmen Pulver oder Trockenextrakte auf, Weichkapseln enthalten meist Flüssigkeiten oder Öle. Die Hülle schützt den Inhalt und erleichtert die Einnahme unangenehm schmeckender Stoffe; ob sie aus tierischer Gelatine oder aus Cellulose besteht, ist für Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung wichtig. In der Botanik bezeichnet Kapsel etwas ganz anderes, nämlich eine trockene Streufrucht, die sich bei Reife von selbst öffnet und die Samen freigibt.
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Kapseln
- Kataplasma
In der Volksheilkunde entsteht ein Kataplasma, indem das pflanzliche Material gekocht, gerieben oder zerstoßen wird, bis eine feuchte Masse vorliegt, der man Heilerde oder Mehl als Bindemittel zusetzen kann. Es wird ausschließlich äußerlich angewendet, direkt auf der Haut oder mit einem dünnen Tuch dazwischen. Von der Kompresse unterscheidet es sich dadurch, dass die Pflanzenmasse selbst aufgelegt wird und nicht nur eine im Stoff aufgesogene Flüssigkeit. Manche Pflanzen reizen die Haut, daher gehört die Prüfung der Hautverträglichkeit zu dieser Anwendungsform.
Siehe auch: Kompresse
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Halbfeste Zubereitungen zur kutanen Anwendung
- Kletterpflanze
Eine Kletterpflanze bildet lange, biegsame Sprosse und wächst an anderen Strukturen empor, statt in einen selbsttragenden Stamm zu investieren. Die Mechanismen, mit denen sie sich festhält, sind vielfältig: Haftwurzeln, Ranken, Stacheln oder Haken und windende Sprosse, die sich um die Stütze schlingen. Kletterpflanzen können krautig oder verholzt sein, und die verholzten Kletterpflanzen tropischer Wälder nennt man Lianen.
Quelle: Terminologie der Pflanzenmorphologie
- klinische Studie
Arzneimittelstudien durchlaufen aufeinanderfolgende Phasen, von kleinen Gruppen mit Schwerpunkt Sicherheit bis zu großen Wirksamkeitsstudien. Als Goldstandard gilt die randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie, in der die Teilnehmenden den Gruppen zufällig zugeteilt werden und weder sie noch das Studienpersonal wissen, wer die Intervention oder das Placebo erhält. Kleine, kurze oder unkontrollierte Studien liefern weniger verlässliche Ergebnisse, und Wiederholungen durch unabhängige Teams stärken die Schlussfolgerungen. Im Arzneimittelrecht heißt sie klinische Prüfung.
Siehe auch: in vitro, wissenschaftliche Evidenz
Quelle: ICH-Leitlinie E6 (Good Clinical Practice); Verordnung (EU) Nr. 536/2014
- Kompresse
In der Phytotherapie ist die Kompresse eine äußerliche Anwendungsform, bei der ein Tuch mit einer flüssigen Zubereitung getränkt wird und eine Zeit lang auf der betreffenden Körperstelle verbleibt. Vom Kataplasma, dem Breiumschlag, unterscheidet sie sich dadurch, dass nicht die Pflanzenmasse, sondern nur die daraus gewonnene Flüssigkeit verwendet wird. Die Temperatur richtet sich nach dem Anwendungszweck, und heiße Kompressen erfordern Vorsicht, um Verbrühungen zu vermeiden, vor allem bei älteren Menschen, Kindern und Personen mit verminderter Hautempfindlichkeit.
Siehe auch: Abkochung, Aufguss, Kataplasma
Quelle: pharmazeutisch-phytotherapeutisches Standardglossar
- Kontraindikation
Absolute Kontraindikationen schließen die Anwendung in jedem Fall aus, relative erfordern eine sorgfältige Abwägung und ärztliche Überwachung. Häufig genannt werden bekannte Allergien, Altersgrenzen, die gleichzeitige Einnahme anderer Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit. In Fachinformation und Packungsbeilage erscheinen Kontraindikationen unter der Bezeichnung Gegenanzeigen. Die Angabe kontraindiziert wiegt schwerer als der Hinweis, eine Anwendung werde nicht empfohlen, und beide dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Siehe auch: Nebenwirkung, Wechselwirkung
Quelle: Leitlinie der Europäischen Kommission zur Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SmPC), Abschnitt 4.3
- krautig
Krautig nennt man Pflanzen, deren Spross weich bleibt und nur wenig Lignin einlagert, im Unterschied zu Bäumen und Sträuchern, die Holz bilden. Sie bleiben meist niedrig, und bei ausdauernden Arten, den Stauden, stirbt der oberirdische Teil oft ab und treibt aus unterirdischen Organen neu aus. Der Begriff beschreibt die Beschaffenheit und nicht die Lebensdauer, denn es gibt ausdauernde, einjährige und zweijährige krautige Pflanzen. Auch einzelne Pflanzenteile können krautig sein, etwa die jungen, noch unverholzten Triebe eines Gehölzes.
Siehe auch: ausdauernd, Kletterpflanze, Strauch
Quelle: Terminologie der Pflanzenmorphologie
L
- laubabwerfend
Laubabwerfende Pflanzen verlieren ihre Blätter jahreszeitlich und bleiben eine Zeit lang unbelaubt, was Frostschäden und Wasserverluste verringert. Je nach Jahreszeit spricht man von regengrünen Gehölzen, die in der Trockenzeit kahl stehen, oder von sommergrünen, die im Winter ihr Laub abwerfen. Das Gegenteil sind immergrüne Pflanzen, die ganzjährig belaubt sind und ihre Blätter nach und nach ersetzen, während halbimmergrüne nur einen Teil des Laubs verlieren. Organe, die nach Erfüllung ihrer Funktion abfallen, etwa Kelchblätter oder Nebenblätter, bezeichnet man als hinfällig.
Siehe auch: ausdauernd, Strauch
Quelle: botanisches Standardglossar
- Lignan
Lignane entstehen auf demselben Stoffwechselweg wie das Lignin, das Polymer, das dem Holz seine Festigkeit gibt, sind jedoch kleine Moleküle und dürfen nicht mit ihm verwechselt werden. Bekannte Beispiele sind Matairesinol, Pinoresinol, das stark zellgiftige Podophyllotoxin und Secoisolariciresinol. Manche Lignane werden von Darmbakterien in sogenannte Enterolignane umgewandelt, und die untersuchten Eigenschaften unterscheiden sich von Verbindung zu Verbindung.
Siehe auch: Flavonoid, sekundärer Pflanzenstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
M
- Mazeration
Als Auszugsmittel dienen Alkohol, Essig, Pflanzenöl oder Wasser, das Produkt heißt Mazerat. Weil keine Wärme nötig ist, bleiben Stoffe erhalten, die bei Aufguss oder Abkochung zerfallen würden. Wässrige Kaltauszüge verderben leicht, da Raumtemperatur das Wachstum von Mikroorganismen begünstigt, und sollten deshalb frisch angesetzt und rasch verbraucht werden. In der pharmazeutischen Technologie zählt die Mazeration mit Ethanol zu den klassischen Verfahren der Tinkturherstellung.
Siehe auch: Aufguss, Extrakt, Tinktur
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Extrakte aus pflanzlichen Drogen
- Monographie
Bei pflanzlichen Arzneimitteln sind die Monographien des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur maßgeblich; sie ordnen jedes Anwendungsgebiet der allgemeinen medizinischen Verwendung oder der traditionellen Anwendung zu. Historisch prägend für Deutschland waren die Monographien der Kommission E. Auch die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht Monographien, die meist botanische Identität, Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise und Wechselwirkungen enthalten. Davon zu unterscheiden sind Arzneibuchmonographien zur Qualitätskontrolle.
Siehe auch: Arzneibuch, traditionelle Anwendung
Quelle: HMPC-Monographien (Europäische Arzneimittel-Agentur); Monographien der Kommission E
N
- Nebenwirkung
In der Pharmakologie bezeichnet Nebenwirkung im weiten Sinn jede Begleitwirkung, die aus den Eigenschaften des Stoffes folgt, auch ohne Schaden. Das Arzneimittelgesetz und die EU-Pharmakovigilanz fassen den Begriff enger, nämlich als schädliche und unbeabsichtigte Reaktion; in diesem Sinn spricht man auch von unerwünschter Arzneimittelwirkung (UAW). Jede UAW ist demnach eine Nebenwirkung, doch nicht jede Begleitwirkung im pharmakologischen Sinn ist schädlich. Auch pflanzliche Arzneimittel können unerwünschte Wirkungen auslösen, und die natürliche Herkunft macht sie nicht harmloser.
Siehe auch: Kontraindikation, Toxizität, Wechselwirkung
Quelle: Arzneimittelgesetz (AMG), § 4 Abs. 13; WHO-Definitionen zur Pharmakovigilanz
P
- Phytopharmakon
Das EU-Recht kennt die Zulassung, gestützt auf eigene klinische Studien oder auf bibliographisch belegte allgemeine medizinische Verwendung, und die Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel auf Grundlage langjähriger, sicherer Anwendung. Beide setzen eine geprüfte pharmazeutische Qualität voraus. Die Kette führt von der Heilpflanze über die meist getrocknete Droge und gegebenenfalls deren Zubereitungen wie Extrakte zum fertigen Phytopharmakon. Die Heilpflanze selbst ist kein Phytopharmakon.
Siehe auch: Heilpflanze, Phytotherapie, traditionelle Anwendung
Quelle: Richtlinie 2001/83/EG in der Fassung der Richtlinie 2004/24/EG
- Phytotherapie
In Deutschland zählt die Phytotherapie neben anthroposophischer Medizin und Homöopathie zu den besonderen Therapierichtungen des Arzneimittelgesetzes; wissenschaftlich aufbereitet wurde ihr Wissen lange vor allem durch die Kommission E. Der Begriff reicht von häuslichen Zubereitungen bis zu zugelassenen oder registrierten pflanzlichen Arzneimitteln. Von der Homöopathie, die anderen Prinzipien folgt, und von der Pharmakologie isolierter Wirkstoffe unterscheidet sie sich dadurch, dass sie mit dem Vielstoffgemisch der Pflanze oder ihrer Extrakte arbeitet.
Siehe auch: Heilpflanze, Phytopharmakon
Quelle: Arzneimittelgesetz (AMG), § 25 Abs. 6, 7 und 7a; Kommission E (BfArM)
- Polysaccharid
In Pflanzen dienen Polysaccharide als Energiespeicher, wie Inulin und Stärke, oder als Bausteine der Zellwand, wie Cellulose, Hemicellulosen und Pektin. Auch Gummen und Schleimstoffe gehören zu dieser Gruppe und erklären die zähflüssige Beschaffenheit mancher wässriger Auszüge. Sie werden in der pharmakologischen und ernährungswissenschaftlichen Forschung untersucht, wobei ihre Eigenschaften von der Kettenlänge und den beteiligten Zuckern abhängen.
Siehe auch: Glykosid, Schleimstoff
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Pulver
In der pharmazeutischen Technologie entsteht Drogenpulver durch Trocknen und Mahlen, mitunter gefolgt von Sieben, das die Partikel nach Größe trennt. Anders als der Trockenextrakt enthält Pulver das vollständige pflanzliche Material ohne Auftrennung durch ein Lösungsmittel, seine Zusammensetzung entspricht also der Ausgangsdroge. Feuchtigkeit, Licht und Luft beschleunigen den Abbau, weshalb die Lagerung in gut verschlossenen Behältnissen zur Qualitätssicherung gehört.
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Pflanzliche Drogen
R
- Rhizom
Trotz seines wurzelähnlichen Aussehens ist das Rhizom ein umgewandelter Spross, denn es besitzt schuppenförmig reduzierte Blätter, Internodien, Knospen und Knoten, also Strukturen, die Wurzeln fehlen. Der volkstümliche Name Wurzelstock ist daher botanisch ungenau. Das Rhizom speichert Stärke und andere Reservestoffe, sodass die Pflanze ungünstige Zeiten überdauern und sich vegetativ vermehren kann, denn aus jedem Teilstück mit Knospe kann eine neue Pflanze entstehen. Es ist bei Stauden verbreitet und unterscheidet sich vom oberirdisch kriechenden Ausläufer und von der rundlichen Sprossknolle.
Siehe auch: ausdauernd, krautig
Quelle: Terminologie der Pflanzenmorphologie
S
- Saponin
Der Name geht auf das lateinische sapo, Seife, zurück, weil ihre oberflächenaktive Wirkung der von Waschmitteln ähnelt. Man unterscheidet Steroidsaponine, die häufig bei Einkeimblättrigen auftreten, und Triterpensaponine, die bei Zweikeimblättrigen verbreitet sind. Diosgenin, ein steroidales Aglykon, und Glycyrrhizin sind gut untersuchte Beispiele. Manche Saponine reizen die Schleimhäute und sind für Fische giftig, was Vorsicht bei der Anwendung erfordert.
Siehe auch: Glykosid, Terpenoid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Schleimstoff
Schleimstoffe werden in spezialisierten Zellen oder Gewebeschichten gebildet, etwa in der Epidermis mancher Samenschalen. Von Gummen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie normale Bestandteile der Pflanze sind, während Gummen meist erst nach einer Verletzung als Ausscheidung entstehen. In der Pharmakognosie gibt die Quellungszahl an, wie stark ein pflanzliches Material in Wasser aufquillt. Die zähflüssige Beschaffenheit zeigt sich leicht in Aufgüssen und Kaltwasserauszügen.
Siehe auch: Glykosid, Polysaccharid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- sekundärer Pflanzenstoff
Der Begriff umfasst Substanzen, mit denen die Pflanze auf ihre Umwelt einwirkt, darunter Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde und Mikroorganismen, Duftstoffe und Pigmente. Ihr Gehalt schwankt mit Art, Boden, Erntezeitpunkt, Klima und Pflanzenteil. Viele dieser Stoffklassen werden in der pharmakologischen Forschung untersucht, ihre Eigenschaften unterscheiden sich jedoch von Verbindung zu Verbindung und hängen auch von der Zubereitung ab.
Siehe auch: Alkaloid, Flavonoid, Terpenoid
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Sirup
Der Zucker verleiht dem Sirup seine Konsistenz, überdeckt bittere Geschmäcker und trägt zur Haltbarkeit bei. In den Arzneibüchern ist der Grundsirup eine konzentrierte Saccharoselösung; arzneiliche Sirupe erhalten zusätzlich Extrakte oder Tinkturen und können dann Alkohol enthalten. Hausgemachte Zubereitungen mit Honig oder Zucker sind kürzer haltbar. Der Zuckergehalt ist wichtig für Menschen, die ihre Kohlenhydrataufnahme kontrollieren müssen, und Säuglinge im ersten Lebensjahr sollen wegen des Botulismusrisikos keinen Honig erhalten.
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Flüssige Zubereitungen zum Einnehmen
- Sorte
Das gleichbedeutende Wort Kultivar ist aus dem englischen cultivated variety zusammengezogen, und geregelt wird die Sorte durch den Internationalen Code der Nomenklatur der Kulturpflanzen. Anders als die botanische Varietät geht sie auf Auslese, Hybridisierung oder kontrollierte Vermehrung zurück und bleibt nur durch menschliches Zutun erhalten, etwa durch kontrolliertes Saatgut, Pfropfung oder Stecklinge. Sorten derselben Art können sich in Aroma, Farbe und Gehalt an Inhaltsstoffen unterscheiden.
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur der Kulturpflanzen (ICNCP)
- Strauch
Ein Strauch ist ein ausdauerndes Gehölz, das selten höher als wenige Meter wird und sich schon nahe dem Boden in mehrere etwa gleich starke Triebe verzweigt. Die Abgrenzung zum Baum mit seinem durchgehenden Stamm ist eine Frage der Praxis und kennt Übergangsformen wie den Großstrauch oder Kleinbaum. Ein Halbstrauch dagegen verholzt nur an der Basis, während seine oberen Triebe krautig bleiben. Das Adjektiv strauchig beschreibt diese Wuchsform und ebenso eine Vegetation, in der Sträucher vorherrschen.
Siehe auch: ausdauernd, Kletterpflanze, krautig
Quelle: Terminologie der Pflanzenmorphologie
- Synonym
Synonymie entsteht, wenn eine Pflanze mehr als einen wissenschaftlichen Namen erhält, sei es durch unabhängige Beschreibungen oder durch einen Gattungswechsel nach taxonomischen Revisionen. In jeder Klassifikation wird nur ein Name akzeptiert, die übrigen gelten als Synonyme. Datenbanken wie Plants of the World Online und World Flora Online verzeichnen diese Entsprechungen und beugen so Verwechslungen vor, wenn Studien oder Etiketten unterschiedliche Namen verwenden.
Siehe auch: akzeptierter Name, Basionym
Quelle: Plants of the World Online (Royal Botanic Gardens, Kew)
T
- Taxon
Der Plural lautet Taxa, und der Begriff gilt für alle Rangstufen, von den großen Abteilungen bis zu den Rängen unterhalb der Art. Das Taxon ist die Einheit, mit der Taxonomie und Systematik arbeiten. Ausdrücke wie infraspezifisches Taxon, das für Unterarten und Varietäten verwendet wird, zeigen an, an welcher Stelle der Hierarchie sich eine Gruppe befindet.
Siehe auch: Art, Familie, Gattung
Quelle: botanisches Standardglossar
- Tee
Streng genommen meint Tee nur Zubereitungen aus Camellia sinensis, der Stammpflanze von grünem, Oolong-, schwarzem und weißem Tee. Im Alltag nennt man jedoch fast jedes Getränk aus Kräutern und heißem Wasser so; das Lebensmittelrecht spricht hier von teeähnlichen Erzeugnissen, die Pharmazie je nach Verfahren von Aufguss oder Abkochung. Ein "Tee aus" auf Etiketten oder in Anleitungen enthält daher meist keine Camellia sinensis.
Siehe auch: Abkochung, Aufguss
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Teedrogen; Leitsätze für Tee, teeähnliche Erzeugnisse (Deutsches Lebensmittelbuch)
- Terpenoid
Die Einteilung richtet sich nach der Zahl der Isopreneinheiten: Monoterpene haben zwei, etwa Limonen und Menthol, Sesquiterpene drei, etwa Bisabolol und Caryophyllen, Diterpene vier und Triterpene sechs. Streng genommen bezeichnet Terpen den Kohlenwasserstoff, während Terpenoid auch die sauerstoffhaltigen Abkömmlinge einschließt. In der Praxis werden beide Begriffe jedoch meist gleichbedeutend gebraucht. Auch Carotinoide und Triterpensaponine gehören zu dieser großen Stoffgruppe.
Siehe auch: ätherisches Öl, Carotinoid, Saponin
Quelle: Pharmacognosy (Trease and Evans)
- Tinktur
Das Europäische Arzneibuch beschreibt Tinkturen als ethanolische oder wässrig-ethanolische Auszüge, gewonnen durch Mazeration oder Perkolation in einem festgelegten Verhältnis von Droge zu Auszugsmittel. Der Alkoholgehalt ist ein wesentliches Merkmal und wird bei Arzneimitteln auf der Packung angegeben. Bedeutsam ist er für Kinder, Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder Lebererkrankungen, Schwangere und Stillende sowie für alle, die Alkohol meiden. Im Vergleich zum Fluidextrakt ist eine Tinktur meist weniger konzentriert.
Siehe auch: Extrakt, Mazeration
Quelle: Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Extrakte aus pflanzlichen Drogen
- Toxizität
Die Toxikologie unterscheidet die akute Toxizität nach einmaliger oder kurzzeitiger Exposition von der chronischen Toxizität bei wiederholter Anwendung über lange Zeiträume. Von Organtoxizität spricht man, wenn sich der Schaden auf ein bestimmtes Organsystem konzentriert. Der Paracelsus zugeschriebene Grundsatz, dass die Dosis das Gift macht, gilt ebenso für pflanzliche Stoffe, denn eine natürliche Herkunft schließt Giftigkeit nicht aus.
Siehe auch: Dosis, Nebenwirkung
Quelle: toxikologisches Standardglossar
- traditionelle Anwendung
Nach der Richtlinie 2004/24/EG können traditionelle pflanzliche Arzneimittel registriert werden, wenn eine mindestens 30-jährige Anwendung belegt ist, davon mindestens 15 Jahre in der EU, und die Unbedenklichkeit unter den angegebenen Bedingungen ausreichend dokumentiert ist. Diese Anerkennung belegt Erfahrung und Plausibilität, ersetzt aber keinen Wirksamkeitsnachweis durch klinische Studien. In Deutschland, wo die §§ 39a bis 39d AMG die Vorgaben umsetzen, muss die Kennzeichnung darauf hinweisen, dass das Anwendungsgebiet ausschließlich auf langjähriger Anwendung beruht.
Siehe auch: klinische Studie, Monographie, wissenschaftliche Evidenz
Quelle: Richtlinie 2004/24/EG; Arzneimittelgesetz (AMG), §§ 39a bis 39d
U
- Unterart
Die Unterart folgt auf das Binom und wird durch subsp. oder ssp. eingeleitet, etwa bei Origanum vulgare subsp. hirtum. Meist bezeichnet sie Populationen, die getrennte Areale besiedeln und stabile morphologische Unterschiede zeigen, sich mit anderen Populationen derselben Art aber noch kreuzen können. Unter den infraspezifischen Rängen steht sie oberhalb der Varietät.
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
V
- Varietät
Die botanische Varietät ist ein infraspezifischer Rang, der dem Nomenklaturcode unterliegt und sich grundsätzlich auf Populationen bezieht, die in der Natur entstanden sind. Sie ist nicht mit der Sorte zu verwechseln, die durch menschliche Auslese gewonnene und in Kultur erhaltene Pflanzen bezeichnet. Bei Kulturpflanzen wird der Rang auch aus Tradition verwendet, etwa bei Brassica oleracea var. capitata, dem Kopfkohl.
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
W
- Wechselwirkung
Eine Wechselwirkung kann die erwartete Wirkung abschwächen, verändern oder verstärken und mitunter neue Effekte hervorrufen. Sie beruht auf pharmakokinetischen Mechanismen, wenn ein Stoff Aufnahme, Ausscheidung oder Verstoffwechselung des anderen beeinflusst, oder auf pharmakodynamischen, wenn beide an denselben Zielstrukturen im Körper angreifen. Pflanzliche Zubereitungen enthalten zahlreiche wirksame Bestandteile und können mit herkömmlichen Arzneimitteln wechselwirken, weshalb man in Apotheke und Arztpraxis stets alle eingenommenen Produkte angeben sollte.
Siehe auch: Kontraindikation, Nebenwirkung
Quelle: pharmakologisches Standardglossar
- wissenschaftliche Evidenz
Die evidenzbasierte Medizin ordnet Studien nach ihrer Aussagekraft. Auf der untersten Stufe stehen In-vitro-Ergebnisse, es folgen Tierversuche und klinische Studien am Menschen, an der Spitze stehen systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen hochwertiger randomisierter Studien. Ein an Zellen oder Tieren beobachteter Effekt kann der Forschung eine Richtung geben, belegt aber nicht, dass er auch beim Menschen eintritt. Der Ausdruck klinische Evidenz bezieht sich ausschließlich auf Daten, die am Menschen gewonnen wurden.
Siehe auch: in vitro, klinische Studie, traditionelle Anwendung
Quelle: methodisches Standardglossar der evidenzbasierten Medizin
- wissenschaftlicher Name
Die binäre Nomenklatur wurde von Carl von Linné etabliert, dessen Werk Species Plantarum von 1753 als Ausgangspunkt der botanischen Nomenklatur gilt. Der vollständige Name kann das Kürzel des Autors enthalten, der die Art beschrieben hat, etwa Melissa officinalis L., wobei L. für Linné steht. Anders als Volksnamen, die von Region zu Region wechseln, ist der wissenschaftliche Name eindeutig und zeigt genau, um welche Pflanze es geht.
Siehe auch: akzeptierter Name, Art, Gattung
Quelle: Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN)
Z
- zweijährig
Eine zweijährige Pflanze nutzt das erste Jahr für das vegetative Wachstum, häufig als bodennahe Blattrosette mit einer Speicherwurzel, die Reservestoffe anlegt. Im zweiten Jahr treibt sie einen Blütenstängel, bildet Samen und stirbt ab. Bei vielen Arten setzt die Blüte eine Kälteperiode voraus, ein Vorgang, den man Vernalisation nennt. In Klimazonen ohne ausgeprägten Winter verhalten sich manche zweijährigen Arten wie einjährige oder bleiben länger am Leben.
Siehe auch: ausdauernd, einjährig
Quelle: botanisches Standardglossar