Trametes versicolor (L.) Lloyd / Schmetterlingstramete, in Portugal und Brasilien volkstümlich „cauda de peru“ (Truthahnschwanz) genannt, ist ein häufiger Porling aus der Familie Polyporaceae. Die Art wurde 1753 von Carl von Linné als Boletus versicolor beschrieben und von Curtis Gates Lloyd in die Gattung Trametes überführt; sie kommt in zahlreichen Regionen der Welt vor. Trametes versicolor ist für seine bemerkenswerten therapeutischen Eigenschaften bekannt. Die fächerförmigen Fruchtkörper mit ihren konzentrischen, unterschiedlich gefärbten Zonen werden gesammelt, um daraus Extrakte und weitere Präparate der Pilzheilkunde herzustellen.

In der traditionellen Medizin, allen voran in China, ist die Schmetterlingstramete seit dem 16. Jahrhundert belegt, als sie im Bencao Gangmu verzeichnet wurde. Ihre Anwendungen reichen von der Unterstützung des Immunsystems bis zur begleitenden Therapie in der Onkologie. Die moderne Forschung hat viele der überlieferten Anwendungen von Trametes versicolor bestätigt, was ihren Rang als einer der meistuntersuchten und weltweit am häufigsten eingesetzten Heilpilze festigt.
Volkstümliche und Internationale Namen der Schmetterlingstramete
- Chinesisch (TCM): yun zhi.
- Deutsch: Schmetterlingstramete, Bunte Tramete.
- Englisch: turkey tail, cloud mushroom, Japanese ladies fan.
- Französisch: tramète versicolore, tramète à couleur changeante.
- Italienisch: coda di tacchino.
- Japanisch (Kampo): kawaratake.
- Portugiesisch: cogumelo-cauda-de-peru, cauda-de-peru, cogumelo-de-várias-cores.
- Spanisch: cola de pavo, yesquero de colores, yesquero multicolor.
Taxonomische Synonyme der Schmetterlingstramete
Der Name Trametes versicolor (L.) Lloyd gilt als akzeptierte und in der Fachliteratur gebräuchlichste Bezeichnung. Die Art verfügt allerdings über eine ganze Reihe von Synonymen, die ihre verwickelte taxonomische Geschichte und die wechselnden Einordnungen im Lauf der Zeit widerspiegeln. Zu den am häufigsten anzutreffenden zählen Coriolus versicolor (L.) Quél. und Polyporus versicolor (L.) Fr. Beide Bezeichnungen begegnen einem in älteren Publikationen und in manchen Regionen bis heute.
Weitere Synonyme sind Agarico-suber versicolor (L.) Paulet, Agaricus versicolor (L.) Lam., Agaricus versicolor Plan., Agaricus versicolor Plan. ex Zant., Bjerkandera versicolor (L.) P.Karst., Boletus versicolor L. und Polystictus versicolor (L.) Fr. Diese Namensvielfalt unterstreicht, wie allgegenwärtig der Pilz ist und wie groß das wissenschaftliche Interesse an ihm bleibt. Die heutige Einordnung als Trametes versicolor ist weltweit die anerkannteste.
Pilzfamilie: Polyporaceae
Die Familie Polyporaceae gehört zur Ordnung Polyporales innerhalb der Klasse Agaricomycetes und des Stamms Basidiomycota. Kennzeichnend für diese Familie sind Pilze, die ihre Sporen in Poren an der Hutunterseite bilden. Viele Vertreter der Polyporaceae zersetzen Holz und übernehmen damit eine Schlüsselrolle in Waldökosystemen, denn sie tragen zum Nährstoffkreislauf und zur Gesundheit des Bodens bei.
Trametes versicolor ist ein herausragendes Beispiel dieser Familie und teilt deren typische morphologische Merkmale, etwa die lederartige Konsistenz und die Fächerform. Die Polyporaceae sind für die Bildung bioaktiver Verbindungen bekannt, darunter Polysaccharide und Triterpene, die vielen ihrer Arten heilkundliche Eigenschaften verleihen. Die pharmakologische Forschung richtet ihr Augenmerk seit Langem auf die chemische Vielfalt dieser Familie, was der Entwicklung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zugutekommt.
Verwendete Teile der Schmetterlingstramete
- Fruchtkörper (Pilz)
Ethnomykologische und Traditionelle Anwendungen der Schmetterlingstramete
- Ausleitung von Feuchtigkeit und Wind in der TCM
- Behandlung von Infektionskrankheiten
- Förderung des allgemeinen Wohlbefindens
- Linderung von Husten und Atembeschwerden
- Regulierung des Immunsystems
- Stärkung der Milz in der TCM
- Unterstützung der Langlebigkeit
Therapeutische Eigenschaften der Schmetterlingstramete
- Antidiabetisch (wird auf eine Wirkung auf die Blutzuckerkontrolle untersucht); traditionelle Anwendung, ohne gesicherte klinische Wirksamkeit
- Antifibrotisch (beugt übermäßiger Bindegewebsbildung vor)
- Antikanzerogen (wird auf die Hemmung der Karzinogenese und der Metastasierung untersucht); traditionelle Anwendung, ohne gesicherte klinische Wirksamkeit
- Antimikrobiell (wirkt gegen krankheitserregende Mikroorganismen); traditionelle Anwendung, ohne gesicherte klinische Wirksamkeit
- Antioxidativ (neutralisiert freie Radikale)
- Entzündungshemmend (dämpft entzündliche Prozesse)
- Immunmodulierend (moduliert und stärkt das Immunsystem); traditionelle Anwendung, ohne gesicherte klinische Wirksamkeit
- Wundheilungsfördernd (unterstützt die Heilung von Wunden)
Detailliertes Inhaltsstoffprofil der Schmetterlingstramete
- Alkaloide
- Anthrachinone
- Beta-Glucane
- Flavonoide
- Phenolische Verbindungen
- Polysaccharide (PSK, PSP)
- Proteine
- Saponine
- Tannine
- Triterpenoide
Hinweis: Klassen wie Alkaloide, Anthrachinone, Flavonoide, Saponine und Tannine sind typisch für Gefäßpflanzen, und ihr Vorkommen in Porlingen ist kaum dokumentiert; die durchgängig beschriebenen Inhaltsstoffe der Art sind die Beta-Glucane und die Polysaccharid-Protein-Komplexe PSK und PSP.
Zubereitung und Anwendung der Schmetterlingstramete
- Extrakte (Pulver, Kapseln)
- Tees (Aufgüsse)
- Tinkturen (flüssige Auszüge)
Synergien mit Pflanzen und Anderen Heilpilzen
Immunsystem und Allgemeines Wohlbefinden
Trametes versicolor steht in Präparaten häufig neben anderen Heilpilzen. Die Kombination mit Hericium erinaceus (Igelstachelbart), Ophiocordyceps sinensis oder Cordyceps militaris (Cordyceps) und Ganoderma lucidum (Reishi) ist im Handel verbreitet, auch wenn die gemeinsame Wirkung bislang in keiner klinischen Studie gemessen wurde. Die Unterstützung der Nervengesundheit, die manchen Heilpilzen zugeschrieben wird, ist für Hericium erinaceus beschrieben, nicht für Trametes versicolor. Studien untersuchen die Schmetterlingstramete als Begleitung von Chemotherapeutika wie Paclitaxel; da es sich um Medikamente mit enger therapeutischer Breite handelt, darf jede Kombination nur auf Entscheidung und unter Begleitung der Onkologin oder des Onkologen erfolgen. Besonders relevant ist diese Anwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die Kombination kann die Wirksamkeit der Behandlung verbessern und womöglich einzelne Nebenwirkungen abmildern. Der Einsatz gehört jedoch stets in die Hand einer qualifizierten medizinischen Fachperson, denn das Zusammenspiel mit konventionellen Therapien verlangt Vorsicht.
Rezepte und Anwendungsprotokolle für die Schmetterlingstramete
Tee aus Schmetterlingstramete
Für einen Tee verwenden Sie 1 bis 4 Gramm getrockneten Pilz je Tasse heißem Wasser. Lassen Sie den Aufguss 10 bis 15 Minuten ziehen, seihen Sie ihn ab und trinken Sie ihn anschließend. Zur Unterstützung des Immunsystems und des allgemeinen Wohlbefindens kann er 1 bis 3 Mal täglich getrunken werden. Wer es geschmacklich milder mag, gibt Honig oder Zitrone hinzu. Dieser Aufguss ist eine traditionelle Art, von den Eigenschaften des Pilzes zu profitieren.
Tinktur aus Schmetterlingstramete
Tinkturen sind konzentrierte flüssige Auszüge des Pilzes. In der Regel werden sie tropfenweise eingenommen. Halten Sie sich für die richtige Dosierung immer an die Angaben des Herstellers. Sie lassen sich sublingual einnehmen oder in Wasser verdünnen. Tinkturen bieten eine praktische und wirksame Möglichkeit, die Wirkstoffe von Trametes versicolor aufzunehmen, denn ihre Resorption erfolgt rasch und zuverlässig.
Therapieformen mit der Schmetterlingstramete
Phytotherapie
Trametes versicolor ist ein wertvoller Bestandteil der modernen Phytotherapie. Der Pilz kommt in verschiedenen galenischen Formen zum Einsatz, etwa als standardisierter Extrakt oder als Nahrungsergänzungsmittel. Am besten untersucht ist seine immunmodulierende Wirkung; der begleitende Einsatz in der Onkologie bleibt Gegenstand klinischer Forschung, stets als Ergänzung und nie als Ersatz für die ärztlich verordnete Behandlung. Die Phytotherapie stützt sich auf den Einsatz von Heilpflanzen und Heilpilzen. Die Schmetterlingstramete ist ein klassisches Beispiel für einen Organismus mit breitem therapeutischem Anwendungsspektrum, der intensiv erforscht und vielfältig eingesetzt wird.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
In der TCM wird Trametes versicolor unter dem Namen Yunzhi seit dem 16. Jahrhundert verwendet, als er im Bencao Gangmu verzeichnet wurde. Geschätzt wird der Pilz dafür, die Milz zu stärken, Feuchtigkeit und Wind auszuleiten und Husten zu lindern. Die TCM bindet ihn in komplexe Rezepturen ein, um den Körper ins Gleichgewicht zu bringen und die Gesundheit zu fördern. Sein Gebrauch in der TCM spiegelt ein tiefes Wissen um seine Eigenschaften wider, das über Generationen von Behandelnden weitergegeben wurde. Die TCM verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz.
Integrative Onkologie
In der integrativen Onkologie wird Trametes versicolor breit untersucht. Der Pilz kommt begleitend zu Krebstherapien zum Einsatz. Seine Polysaccharide, allen voran PSK und PSP, stehen wegen ihrer Fähigkeit im Blickpunkt, die Immunantwort zu modulieren. Sie können die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten unter Chemotherapie und Strahlentherapie verbessern. Die integrative Onkologie verbindet konventionelle Verfahren mit ergänzenden Ansätzen, um die Ergebnisse zu optimieren und Nebenwirkungen zu verringern. Die Schmetterlingstramete gilt in diesem Feld als vielversprechendes Beispiel.
Gegenanzeigen und Nebenwirkungen der Schmetterlingstramete
Trametes versicolor wird von den meisten Menschen gut vertragen. Wie jede bioaktive Substanz kann der Pilz jedoch Gegenanzeigen und Nebenwirkungen mit sich bringen. Diese Möglichkeiten sollte man kennen. Vor Beginn einer Nahrungsergänzung empfiehlt sich immer das Gespräch mit einer medizinischen Fachperson, damit die Anwendung sicher und angemessen erfolgt. Sicherheit steht an erster Stelle.
Mögliche Nebenwirkungen
In seltenen Fällen treten leichte Magen-Darm-Beschwerden auf. Dazu zählen Durchfall, dunkler Stuhl oder Übelkeit. Solche Beschwerden sind meist vorübergehend und klingen nach dem Absetzen wieder ab. Auch Veränderungen an den Nägeln wurden beschrieben, sie kommen jedoch selten vor. Halten die genannten Beschwerden an, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Eine aufmerksame Beobachtung ist wichtig.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Trametes versicolor kann mit bestimmten Medikamenten in Wechselwirkung treten. Der Pilz kann die Wirksamkeit von Immunsuppressiva verringern, da er die Immunantwort anregt; Transplantierte und Menschen mit Autoimmunerkrankung sollten ihn nicht ohne Zustimmung des behandelnden Arztes verwenden. Wer eine Chemotherapie erhält oder gerinnungshemmende Mittel einnimmt, sollte vor jeder Nahrungsergänzung ärztlichen Rat einholen, denn die Daten zu Wechselwirkungen mit diesen Medikamenten sind bislang spärlich. Das Zusammenspiel mit konventionellen Therapien muss sorgfältig abgewogen werden, denn die ärztliche Begleitung ist hier unverzichtbar.
Wissenswertes und Historische Fakten zur Schmetterlingstramete
Herkunft des Namens
Der wissenschaftliche Artname versicolor bedeutet „vielfarbig“. Das wird dem lebhaften, bunten Erscheinungsbild des Pilzes gerecht. Seine konzentrischen Zonen zeigen eine ganze Palette von Farbtönen und erinnern an den Schwanz eines Truthahns. Dieses auffällige Merkmal erleichtert die Bestimmung in der Natur. Der volkstümliche Name „Truthahnschwanz“ nimmt unmittelbar auf diese optische Ähnlichkeit Bezug. Er ist beschreibend und einprägsam zugleich.
Weltweite Verbreitung und Lebensraum
Trametes versicolor gehört zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Pilzen überhaupt. Er wächst auf Totholz, vor allem von Laubbäumen. In Wäldern aller Kontinente außer der Antarktis ist er anzutreffen. Seine Allgegenwart und seine Fähigkeit, Holz zu zersetzen, machen ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Ökosysteme. Sein Vorkommen gilt als Zeichen gesunder Wälder. Robust und anpassungsfähig, behauptet er sich unter sehr unterschiedlichen Bedingungen.
Alte Anwendung in der Östlichen Medizin
Unter den Namen „Yunzhi“ in China und „Kawaratake“ in Japan blickt die Schmetterlingstramete auf eine lange heilkundliche Geschichte zurück. In China ist sie in der Materia medica seit dem Bencao Gangmu von 1578 verzeichnet. In Japan wurde sie vor Jahrzehnten in Behandlungsprogramme bei Krebs aufgenommen. Ihre Bedeutung für die östliche Medizin ist enorm, denn sie gilt dort als Sinnbild für Gesundheit und Langlebigkeit. Tradition und Wissenschaft treffen sich in ihrer Erforschung.
Häufig gestellte Fragen zur Schmetterlingstramete
Ist die Schmetterlingstramete Essbar?
Ja, Trametes versicolor ist essbar, wird wegen der Konsistenz aber kaum gegessen. Das Fleisch ist ziemlich zäh und lederartig, was den Genuss wenig reizvoll macht. Üblicher ist die Verwendung als Tee, Extrakt oder Tinktur. In diesen Formen werden die heilkundlich interessanten Verbindungen herausgelöst und konzentriert. Im Vordergrund steht der therapeutische Nutzen, nicht der kulinarische Wert. Es handelt sich um einen Vitalpilz.
Wo Wächst die Schmetterlingstramete?
Trametes versicolor ist ein saprophytischer Pilz. Er wächst auf Totholz, vor allem auf Stämmen und Ästen von Laubbäumen. Häufig ist er in Wäldern und Gehölzen anzutreffen. Feuchte, schattige Standorte sagen ihm zu. Weil er Holz zersetzt, trägt er zur Gesundheit des Ökosystems bei. Der Pilz ist ausgesprochen anpassungsfähig und widerstandsfähig. Er kommt in unterschiedlichen Höhenlagen und Klimazonen vor.
Wie Erkennt Man die Schmetterlingstramete?
Die Bestimmung von Trametes versicolor stützt sich auf markante Merkmale. Der Fruchtkörper ist fächer- bis halbkreisförmig. Er zeigt konzentrische Zonen in wechselnden Farben, von Brauntönen über Grau bis hin zu Blau und Grün. Die Unterseite ist porig und trägt keine Lamellen. Die Konsistenz ist lederartig und biegsam. Beim Sammeln ist allerdings auf die Doppelgänger zu achten: Stereum ostrea hat eine glatte Unterseite, und Trichaptum biforme zeigt violettliche, unregelmäßige Poren. Erst eine weiße, fein porige Oberfläche bestätigt die Art.
Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.
Referenzen und wissenschaftliche Studien
Alle 8 Zitierten Quellen Anzeigen
Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (6)
- PMC2020 Habtemariam, Solomon. „Trametes versicolor (Synn. Coriolus versicolor) Polysaccharides in Cancer Therapy: Targets and Efficacy.“ Biomedicines. 2020. ↗.
- DOI2024 Ajibola, Olaide Olawunmi, et al. „Turkey tail mushroom (Trametes versicolor): an edible macrofungi with immense medicinal properties.“ Current Opinion in Food Science. 2024. ↗.
- PMC2019 Benson, Kathleen F., et al. „The mycelium of the Trametes versicolor (Turkey tail) mushroom and its fermented substrate each show potent and complementary immune activating properties in vitro.“ BMC Complementary and Alternative Medicine. 2019. ↗.
- DOI2025 Lodi, Rathna Silviya, et al. „Current research on the medical importance of Trametes species.“ Fungal Biology Reviews. 2025. ↗.
- DOI2024 Camilleri, E., et al. „A comprehensive review on the health benefits, phytochemicals, and enzymatic constituents for potential therapeutic and industrial applications of Turkey tail mushrooms.“ Discover Applied Sciences. 2024. ↗.
- PMC2020 Lam, Chun Sing, et al. „Herb-drug interactions between the medicinal mushrooms Lingzhi and Yunzhi and cytotoxic anticancer drugs: a systematic review.“ Chinese Medicine. 2020. ↗.
