Der Ligustrum lucidum ist ein immergrüner Baum aus der Familie der Oleaceae, zu der auch Ölbaum, Esche und Jasmin gehören. Im Deutschen heißt er Glänzender Liguster, Breitblättriger Liguster oder Chinesischer Liguster, und seine kompakte Krone prägte im Lauf des 20. Jahrhunderts Plätze und Gehwege subtropischer Städte von Südbrasilien bis Argentinien. Das Ursprungsgebiet umfasst einen asiatischen Bogen, der von Nepal und dem Nordosten Myanmars über Zentral- und Südchina bis zur Insel Hainan und in den Süden Südkoreas reicht.

Bemerkenswert ist die Art nicht allein wegen des fast lackierten Glanzes ihrer Blätter, dem sie das Epitheton lucidum verdankt. Es ist das Zusammenspiel aus sehr breiter ökologischer Toleranz, massenhafter Blüte und reichem, von Vögeln verbreitetem Fruchtansatz, das aus einem unauffälligen Ziergehölz eine der am gründlichsten untersuchten invasiven Holzpflanzen der Subtropen gemacht hat. In Argentinien, in Südbrasilien, in Australien und im Südosten der Vereinigten Staaten hat der Glänzende Liguster die Beete verlassen und bildet dichte Bestände in Resten des einheimischen Waldes.
Dieses Profil trägt zusammen, was die botanische Literatur über die Art dokumentiert: Klassifikation und Synonymie, diagnostische Merkmale, Verhalten in Kultur und in besiedelten Lebensräumen, die für Blätter und Früchte beschriebene chemische Zusammensetzung sowie die historische Spur ihrer wirtschaftlichen Nutzung im kaiserlichen China.
Taxonomie
Die Art gehört zur Familie der Oleaceae, einer weltweit verbreiteten Gruppe von rund 25 Gattungen und 600 Arten, die so unterschiedliche Pflanzen wie Ölbaum, Forsythie und Flieder vereint. Innerhalb dieser Familie steht Ligustrum in der Tribus Oleeae und umfasst etwa 50 Arten von Sträuchern und Bäumen, fast alle eurasisch. Die anerkannte Einordnung lautet:
- Reich: Plantae
- Abteilung: Magnoliophyta (Bedecktsamer)
- Klasse: Magnoliopsida (Eudikotyledonen)
- Ordnung: Lamiales
- Familie: Oleaceae Hoffmanns. & Link
- Tribus: Oleeae
- Gattung: Ligustrum L., 1753
- Art: Ligustrum lucidum W.T.Aiton, 1810
Das Protolog erschien in der zweiten Auflage des Hortus Kewensis, des von William Townsend Aiton zusammengestellten Katalogs der in den Königlichen Gärten von Kew kultivierten Pflanzen. Die Grundlage bildeten lebende Exemplare, die Ende des 18. Jahrhunderts aus China eingeführt worden waren, und der Name gilt seither unangefochten.
Akzeptierte Synonyme
- Esquirolia sinensis H.Lév.
- Ligustrum esquirolii H.Lév.
- Ligustrum magnoliifolium Dippel
- Ligustrum roxburghii Blume
- Ligustrum wallichii Vis.
- Olea chinensis Sweet
- Olea clavata G.Don
- Phillyrea paniculata Roxb.
- Phillyrea terminalis B.Heyne ex Wall.
- Visiania paniculata (Roxb.) DC.
Ein Detail verdient Aufmerksamkeit, weil es in Datenbanken regelmäßig für Verwirrung sorgt: Der IPNI-Index führt drei gleichlautende Kombinationen unter dem Binomen Ligustrum lucidum. Neben dem 1810 von Aiton veröffentlichten Namen existieren Ligustrum lucidum Buch.-Ham. ex Wall., erschienen in der Numerical List von 1831, sowie Ligustrum lucidum hort. ex K.Koch aus der Dendrologie von 1872. Beide sind spätere und illegitime Homonyme. Jeder korrekte Verweis auf die Art muss die Autorenangabe W.T.Aiton tragen.
Etymologie
Der Gattungsname Ligustrum stammt aus dem klassischen Latein und findet sich bei Vergil wie bei Plinius dem Älteren, dort bezogen auf einen weiß blühenden Strauch, den die Überlieferung mit dem europäischen Gemeinen Liguster, Ligustrum vulgare, gleichsetzt. Eine verbreitete etymologische Deutung verbindet das Wort mit dem Verb ligare, binden, in Anspielung auf die biegsamen Zweige, die in der römischen Landwirtschaft als Bindematerial dienten. Das Artepitheton lucidum bedeutet leuchtend oder glänzend und beschreibt die Blattoberseite treffend, denn sie wirft das Licht zurück, als wäre sie gewachst.
Morphologische Beschreibung
Ein mittelgroßer immergrüner Baum, in den meisten Kulturlagen 8 bis 15 Meter hoch, mit Ausnahmefällen, die unter optimalen Bedingungen 25 Meter erreichen. Im Schatten oder bei wiederholtem Rückschnitt wächst er als von Grund auf verzweigter Strauch. Die Krone ist dicht und gerundet, behält das Laub das ganze Jahr über und verzweigt sich so reich, dass sie tiefen Schatten auf den Boden wirft. Der Stamm ist zylindrisch, die Rinde bei jungen Bäumen grau und glatt, mit dem Alter flach rissig und deutlich mit Lentizellen besetzt. Die gesamte Pflanze ist kahl, ein bei der Bestimmung nützliches Merkmal.
Blätter
Die Blätter stehen gegenständig und kreuzweise, sind einfach, ledrig bis papierartig, 6 bis 17 Zentimeter lang und 3 bis 8 Zentimeter breit. Die Spreite reicht von eiförmig über elliptisch bis lanzettlich, mit gerundeter bis leicht verschmälerter Basis und spitzer bis zugespitzter, gelegentlich stumpfer Spitze. Der Rand ist ganz und flach, ohne jede Zähnung. Die Oberseite ist glänzend und dunkelgrün, die Unterseite heller und matt, und beide sind vollständig unbehaart. Die Mittelrippe ist oben eingesenkt und unten hervortretend, begleitet von 4 bis 9 Paar schwach ausgeprägter Seitennerven. Der Blattstiel misst 1 bis 3 Zentimeter und trägt oberseits eine Rinne.
Blüten
Der Blütenstand ist eine breite endständige Rispe, 8 bis 20 Zentimeter lang und 8 bis 25 Zentimeter breit, mit kantiger Spindel, die bis in die Fruchtreife steif bleibt. Die Blüten sind sitzend oder fast sitzend, sehr zahlreich und klein, cremeweiß gefärbt. Die Krone hat eine kurze Röhre und vier Zipfel, die sich zur Anthese zurückschlagen, insgesamt 3 bis 5 Millimeter messend. Die zwei Staubblätter ragen deutlich über die Zipfel hinaus und geben der Rispe aus der Nähe ein leicht flauschiges Aussehen. Der Duft ist süßlich und durchdringend und ist auf der Höhe der Blüte über mehrere Meter wahrnehmbar.
Früchte und Samen
Die Frucht ist eine fleischige Steinfrucht, nierenförmig bis länglich, 7 bis 12 Millimeter lang. Zunächst grün, reift sie über Dunkelblau zu Purpurschwarz und ist von einem weißlichen Wachsreif überzogen, der sich bei Berührung löst. Jede Steinfrucht enthält einen oder zwei ellipsoide Samen von 5 bis 7 Millimetern. Der Ertrag ist notorisch üppig: Ein ausgewachsenes Exemplar kann Zehntausende Früchte in einer einzigen Saison tragen, und die Fruchtstände bleiben noch Monate nach der Reife am Baum.
Wurzel und Stängel
Das Wurzelsystem verbindet eine mäßig entwickelte Pfahlwurzel mit einem kräftigen und ziemlich flach streichenden Seitennetz. Diese Architektur erklärt zwei im Gelände beobachtete Verhaltensweisen: das Vermögen, nach dem Schnitt aus Stock und Wurzeln wieder auszutreiben, was Programme zur Beseitigung erschwert, und die Neigung, Gehwege anzuheben und Leitungen zu stören, wo städtische Pflanzungen zu knapp bemessen wurden. Junge Zweige sind kahl, grünlich und mit hellen Lentizellen bedeckt; mit der Verholzung werden sie grau.
Verbreitung und Lebensraum
Das von Plants of the World Online dokumentierte natürliche Areal umfasst Nepal, den Nordosten Myanmars, Zentral- und Südchina, die Insel Hainan und den Süden Südkoreas. Ein in der Gartenliteratur häufig wiederholter Fehler gehört hier richtiggestellt: Japan wird hartnäckig als Teil des Ursprungsgebiets genannt, doch die taxonomischen Primärquellen führen das japanische Vorkommen auf Kultur und Einbürgerung zurück und nicht auf natürliche Verbreitung. In den chinesischen Provinzen Guizhou, Hubei, Sichuan und Yunnan besiedelt die Art Täler, bewaldete Hänge und Schluchtränder, vom Tiefland bis in Höhen, die 2.000 Meter mühelos überschreiten.
Außerhalb Asiens ist der Glänzende Liguster in nahezu allen subtropischen und warmgemäßigten Regionen der Erde eingebürgert. Südafrika, Ostaustralien, Neuseeland, Südeuropa und der Südosten der Vereinigten Staaten melden feste Bestände. In Südamerika fällt das Bild besonders schwer aus. In Südbrasilien dringt die Art in den Araukarienwald, in Ufergehölze und in die Ränder von Waldfragmenten in Paraná, Rio Grande do Sul und Santa Catarina vor und wird in der Flora e Funga do Brasil als eingebürgerter Neophyt geführt. In Argentinien besetzt sie den Chaco Serrano von Córdoba sowie die Yungas von Tucumán und Salta, wo sie einartige Bestände mit verarmter Strauchschicht bildet.
Motor dieser Ausbreitung ist die ökologische Bandbreite. Die Pflanze gedeiht auf sauren wie alkalischen, armen wie fruchtbaren, sandigen wie tonigen Böden, verträgt Niederschlagsmengen von 600 bis über 2.000 Millimeter im Jahr und übersteht mäßigen Frost. Der dichte Schatten, den sie wirft, senkt das verfügbare Licht in der unteren Schicht auf Werte, die mit der Verjüngung vieler einheimischer Bäume unvereinbar sind, und der Effekt summiert sich Jahr für Jahr.
Anbau
Die vegetative Vermehrung über Stecklinge ist die übliche Methode in Baumschulen. Halbverholzte Stecklinge von 15 bis 20 Zentimetern, im Sommer geschnitten, bewurzeln binnen weniger Wochen und zeigen auch ohne Hormon hohe Erfolgsquoten. Über Samen verläuft es noch einfacher, denn frische Steinfrüchte keimen nach dem Entfernen des Fruchtfleischs und einer kurzen Kaltstratifikation bereitwillig. Genau diese Leichtigkeit erklärt einen guten Teil des ökologischen Problems, das die Art darstellt.
Was die Ansprüche angeht, ist der Glänzende Liguster notorisch genügsam. Er nimmt volle Sonne ebenso an wie Halbschatten, blüht in voller Sonne allerdings weit üppiger. Er wächst über eine breite pH-Spanne, kommt auf mittelfruchtbaren Böden ohne Düngung aus und braucht nur im ersten Standjahr Wassergaben; danach wird er trockenheitsfest. Er verträgt drastische und wiederholte Schnitte, eine Eigenschaft, die ihn historisch in Formhecken und Formschnitt etabliert hat.
Die häufigsten Schädlinge sind Schildläuse der Gattung Ceroplastes, deren zuckerhaltiges Sekret die Bildung von Rußtau auf dem Laub begünstigt, die Raupe von Palpita unionalis, die die Krone teilweise entlaubt, und Thripse, die für die Silbrigkeit junger Blätter sorgen. Unter den Blattkrankheiten fallen Flecken auf, die von Pilzen der Gattungen Cercospora und Pseudocercospora verursacht werden. Keine davon gefährdet in der Regel das Überleben der Pflanze.
Die Ernte der Früchte findet, wo sie überhaupt betrieben wird, an voll ausgereiften, dunklen Steinfrüchten statt, meist ab dem vierten oder fünften Lebensjahr, sobald der Baum das fortpflanzungsfähige Alter erreicht. Vor jeder Pflanzung lohnt jedoch ein Blick in die örtlichen Vorschriften: Mehrere brasilianische Gemeinden sowie Umweltbehörden in Argentinien, Australien und den Vereinigten Staaten beschränken oder verbieten den Anbau der Art, gerade wegen ihres invasiven Verhaltens.
Phänologie
Die Blüte konzentriert sich auf Mai bis Juli in der Nordhalbkugel und verschiebt sich auf der Südhalbkugel in den Zeitraum von November bis Januar. Die Fruchtreife folgt in nördlichen Breiten von Juli bis Dezember und in südlichen von April bis Juli, wobei die Steinfrüchte weit über die Reife hinaus in der Krone bleiben.
Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch Insekten. Bienen, Fliegen und Käfer suchen die Rispen in großer Zahl auf, angezogen von der Nektarmenge und vom kräftigen Duft. Ein beträchtlicher Teil des Pollens reist allerdings auch mit dem Wind, und diese Windverbreitung hat belegte Folgen für die Atemwegsgesundheit in Städten, in denen die Art massenhaft gepflanzt wurde.
Die Samenausbreitung übernehmen Vögel, und sie bildet das entscheidende Glied im Invasionszyklus. Fruchtfressende Generalisten verzehren das Fruchtfleisch und scheiden keimfähige Samen in Entfernungen aus, die Kilometer vom Ausgangsbaum erreichen können. Im Cono Sur werden als Verbreiter am häufigsten die Rotbauchdrossel, Turdus rufiventris, und die Bischofstangare, Thraupis sayaca, genannt, beide häufig im Siedlungsraum und an Waldrändern, also genau in den Kontaktzonen zwischen Zierpflanzung und einheimischer Vegetation.
Verwandte Arten und Verwechslungen
Die Gattung Ligustrum vereint mehrere kultivierte Arten von ähnlichem Aussehen, und die Unterscheidung hängt vor allem von Wuchsgröße, Blattgröße und Laubbeständigkeit ab.
- Ligustrum japonicum Thunb.: strauchig, 3 bis 5 Meter, mit kleineren Blättern von 4 bis 10 Zentimetern, dicker und weniger stark glänzend. Die Verwechslung mit L. lucidum ist die häufigste überhaupt, und die Wuchsgröße im Alter klärt sie meist.
- Ligustrum obtusifolium Siebold & Zucc.: laubabwerfend, mit stumpf endenden Blättern und kurzen seitenständigen Blütenständen statt der breiten endständigen Rispen des Glänzenden Ligusters.
- Ligustrum ovalifolium Hassk.: halbimmergrün, mit mittelgroßen ovalen Blättern, in der Nordhalbkugel viel für Formhecken verwendet, trotz des gebräuchlichen Namens Kalifornischer Liguster.
- Ligustrum sinense Lour.: laubabwerfender bis halbimmergrüner Strauch, mit deutlich kleineren Blättern von 2 bis 7 Zentimetern, kleineren Rispen und Früchten sowie behaarten Jungtrieben, die L. lucidum nicht besitzt.
- Ligustrum vulgare L.: europäische, halb laubabwerfende Art mit schmalen lanzettlichen Blättern, strauchigem Wuchs und kleineren Früchten.
Außerhalb der Gattung erfordert die Verwechslung mit dem Kirschlorbeer, Prunus laurocerasus, die größte Sorgfalt, denn er wird in denselben gestalterischen Situationen gepflanzt und trägt ebenso ledriges, glänzendes Laub. Drei Merkmale trennen beide eindeutig: Der Kirschlorbeer hat wechselständige statt gegenständige Blätter, einen fein gesägten statt ganzen Rand und Blüten in aufrechten, langgestreckten Trauben statt in pyramidalen Rispen. Er gehört zudem zur Familie der Rosaceae, und seine Blätter und Samen enthalten cyanogene Glykoside, was die richtige Bestimmung zu einer Frage der Sicherheit macht und nicht bloß der botanischen Genauigkeit.
Phytochemie von Ligustrum
Die reifen Früchte sind der chemisch am gründlichsten untersuchte Teil der Pflanze und vereinen zwei vorherrschende Stoffklassen. Secoiridoide treten in der größeren Menge auf, allen voran Nuzhenid, ein für die Art kennzeichnender Marker, begleitet von Ligustrosid, Oleosid und Oleuropein, wobei Letzteres auch im Ölbaum und in anderen Vertretern der Oleaceae vorkommt. Pentazyklische Triterpene bilden die zweite Hauptklasse, mit Oleanolsäure, die etwa 2% bis 4% des Trockengewichts der Steinfrüchte ausmacht, sowie ihrem Isomer, der Ursolsäure.
Die Blätter tragen ein teilweise abweichendes Profil. In ihnen überwiegen Flavonoide wie Luteolin, Quercetin und Rutin, meist in glykosidischer Form, dazu Phenylpropanoide vom Typ Acteosid, auch Verbascosid genannt, sowie Phenolsäuren wie die Kaffeesäure. Eine dicke Wachskutikula überzieht die Oberseite, und ihr verdankt die Spreite ihren charakteristischen Glanz.
Phytosterole wie Beta-Sitosterol und Daucosterol kommen verstreut in mehreren Pflanzenteilen vor, daneben aus den Früchten isolierte Polysaccharidfraktionen. Der weißliche Reif auf den reifen Steinfrüchten besteht aus langkettigen epikutikulären Wachsen.
Ein Sicherheitshinweis gehört an diese Stelle, und zwar im Präsens. Alle Teile der Pflanze enthalten Terpenoidglykoside, und veterinärtoxikologische Zentren führen Ligustrum lucidum und seine Gattungsverwandten als Pflanzen, die für Hunde, Katzen und Pferde giftig sind. Die Aufnahme von Blättern oder Früchten verursacht bei diesen Tieren Magen-Darm-Störungen, und größere Mengen gehen mit Herz-Kreislauf- und neurologischen Veränderungen einher. Der Pollen wiederum ist ein anerkanntes Aeroallergen und verursacht allergische Rhinitis und Asthma bei Stadtbewohnern, die ihm während der Blüte ausgesetzt sind.
Geschichte und Ethnobotanik
Aufzeichnungen aus dem kaiserlichen China belegen den Anbau von Ligustrum lucidum seit mehr als zwei Jahrtausenden. Die getrockneten Früchte erhielten den Namen nü zhen zi (女贞子) und erscheinen seit der Antike unter den Pflanzenmaterialien, die in den chinesischen Sammelwerken der Materia medica aufgeführt sind, womit die Art zu den am frühesten schriftlich belegten Pflanzen des Landes zählt. Der Ausdruck nü zhen (女贞) bedeutet ungefähr keusche Frau oder tugendhafte Jungfrau, und die chinesische Gelehrtentradition verband den Namen mit dem Laub, das den Winter übersteht, ohne seine Farbe zu verlieren, gelesen als Sinnbild der Beständigkeit.
Das eigentümlichste wirtschaftliche Kapitel der Art betrifft jedoch nicht die Früchte. Zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert hing die Erzeugung des sogenannten chinesischen weißen Wachses unmittelbar vom Glänzenden Liguster ab. Züchter in den Provinzen Sichuan und Yunnan setzten die Nymphen der Schildlaus Ericerus pela an den Zweigen fest, wo sie vom Saft lebten und auf der Rinde ein hartes, weißes Wachssekret ablagerten. Nach einigen Wochen wurden die Zweige geschnitten, das Wachs abgeschabt und eingeschmolzen. Das Erzeugnis versorgte die Herstellung sauber brennender Kerzen, die Papierveredelung und die Möbelpolitur, und der Betrieb erforderte eine bemerkenswerte Logistik, denn Träger brachten die Nymphen Jahr für Jahr von den Zuchtgebieten in die Erzeugungsgebiete. Europäische Naturforscher und Missionare beschrieben den Vorgang im 19. Jahrhundert ausführlich; an Bedeutung verlor er erst, als industriell gewonnene Paraffine den Markt übernahmen.
Die westliche Laufbahn der Pflanze beginnt in Kew. Exemplare, die Ende des 18. Jahrhunderts aus China eintrafen, wurden in den britischen Königsgärten kultiviert und dienten als Grundlage der 1810 von William Townsend Aiton veröffentlichten formalen Beschreibung. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Art in europäischen Gärten als Zierbaum und Heckenpflanze, geschätzt für das beständige Laub und für ihre Fügsamkeit gegenüber der Schere. Nach Südamerika kam sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Straßenbaumprogramme der großen Städte, und es vergingen Jahrzehnte, bis das invasive Potenzial in die Überlegungen derjenigen einging, die die Gestaltungspläne unterzeichneten.
Schutzstatus
Für Ligustrum lucidum liegt keine veröffentlichte Einstufung auf der Roten Liste der IUCN vor; die Art gilt damit als nicht bewertet. Diese Lücke gibt keinen Anlass zur Sorge: Es handelt sich um einen häufigen, in seinem Ursprungsgebiet weit verbreiteten Baum, der weltweit kultiviert wird und keinerlei Anzeichen eines Bestandsrückgangs zeigt. Auch in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens ist die Art nicht aufgeführt.
Die hier maßgebliche Naturschutzfrage ist die Umkehrung der üblichen. Statt als bedrohte Art tritt der Glänzende Liguster in mehreren der Ökosysteme, in die er eingeführt wurde, als Bedrohung auf. In Brasilien steht er auf den Listen invasiver gebietsfremder Arten der südlichen Bundesstaaten und ist Ziel von Bekämpfungs- und Entnahmeprogrammen in Schutzgebieten von Paraná und Rio Grande do Sul, wo er die Verjüngung des Araukarienwaldes beeinträchtigt. In Argentinien wurde die Ausbreitung im Chaco Serrano von Córdoba über Jahrzehnte hinweg mit Fernerkundung verfolgt und steht in Verbindung mit einem belegten Rückgang der Vielfalt an Waldvögeln. Australien zählt die Art zu den Invasoren mit hoher Wirkung, und mehrere Gebietskörperschaften beschränken ihren Verkauf.
Ein weiterer Effekt lastet auf der städtischen Gesundheit. Die massenhafte Blüte in Städten, in denen der Baum großflächig gepflanzt wurde, hebt die Belastung der Luft mit allergenem Pollen deutlich an, und Ballungsräume wie Buenos Aires und Porto Alegre verzeichnen saisonale Spitzen an Atemwegsbehandlungen, die mit der Blütezeit zusammenfallen.
Wissenswertes
- Das chinesische weiße Wachs, das eine Schildlaus auf den Zweigen des Glänzenden Ligusters erzeugte, war jahrhundertelang ein chinesisches Exportgut, wertvoll genug, um eigene Transportrouten für die Nymphen des Insekts zwischen den Provinzen zu rechtfertigen.
- Untersuchungen zur allergischen Sensibilisierung in Buenos Aires wiesen den Pollen von Ligustrum lucidum als häufigste Ursache einer Pollensensibilisierung bei Kindern von 5 bis 10 Jahren aus, mit rund 61,5% der ausgewerteten Fälle.
- Zwischen 1810 und 1872 wurden drei gleichlautende Kombinationen des Binomens Ligustrum lucidum veröffentlicht, und nur diejenige Aitons ist legitim, was daran erinnert, warum die Autorenangabe eines wissenschaftlichen Namens kein bibliografisches Beiwerk ist.
- Das Vordringen der Art über den Chaco Serrano von Córdoba wurde aus Landsat-Satellitenbildern des Zeitraums 1983 bis 2006 rekonstruiert, einer der seltenen Fälle, in denen sich die Ausbreitung eines invasiven Baumes Jahrzehnt für Jahrzehnt kartieren ließ.
- Das Laub übersteht Schnitte, die fast die gesamte Krone entfernen, eine Fähigkeit, die ihm seinen Platz im Formschnitt sicherte und die im Gelände den Kahlschlag eher zum Antrieb des Wiederaustriebs macht als zur Methode der Beseitigung.
Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.
Referenzen und wissenschaftliche Studien
Alle 10 Zitierten Quellen Anzeigen
Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (4)
- DOI2020 Fernandez, R. D., Ceballos, S. J., Aragón, R., et al. A Global Review of Ligustrum lucidum (Oleaceae) Invasion. The Botanical Review, 86, 93-118. 2020. ↗
- DOI2010 Hoyos, L. E., Gavier-Pizarro, G. I., Kuemmerle, T., et al. Invasion of glossy privet (Ligustrum lucidum) and native forest loss in the Sierras Chicas of Córdoba, Argentina. Biological Invasions, 12(9), 3261-3275. 2010. ↗
- DOI2020 Torres, C., Villaverde, A., Riera, N., et al. Ligustrum pollen: New insights into allergic disease. World Allergy Organization Journal, 13(2), 100104. 2020. ↗
- DOI2011 Zenni, R. D., Ziller, S. R. An overview of invasive plants in Brazil. Revista Brasileira de Botânica, 34(3), 431-446. 2011. ↗
Ergänzende Lektüre (6)
- Aiton, W. T. Hortus Kewensis, or a Catalogue of the Plants Cultivated in the Royal Botanic Garden at Kew. Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown, London, 2nd ed., vol. 1. 1810.
- Flora e Funga do Brasil. Ligustrum lucidum W.T.Aiton. Jardim Botânico do Rio de Janeiro. ↗
- 2006 Green, P. S. A revision of Ligustrum (Oleaceae). Kew Bulletin, 61(1), 5-31. 2006.
- International Plant Names Index (IPNI). Ligustrum lucidum W.T.Aiton. The Royal Botanic Gardens Kew, Harvard University Herbaria and Australian National Herbarium. ↗
- Plants of the World Online (POWO). Ligustrum lucidum W.T.Aiton. Royal Botanic Gardens, Kew. ↗
- 1996 Wu, Z. Y., Raven, P. H., Hong, D. Y. (eds.). Flora of China, vol. 15: Myrsinaceae through Loganiaceae. Science Press, Beijing, and Missouri Botanical Garden Press, St. Louis. 1996.
