Cordia lutea (Muyuyo): Vollständiges botanisches Profil

16 Min Lesezeit
10 Quellen
Veröffentlicht am Aktualisiert am

Cordia lutea ist ein stark verzweigter Strauch oder ein kleiner Baum aus der Familie der Boraginaceae, schon aus der Ferne an den gelben Trompetenblüten zu erkennen, die einen Großteil des Jahres über die Krone bedecken. Die Art besiedelt das trockene Tiefland im Westen Südamerikas, von Kolumbien bis Peru, und erreicht ebenso den Galápagos-Archipel, wo sie zu den häufigsten einheimischen Pflanzen der küstennahen Trockenzone zählt. In den Trockenwäldern des nordwestlichen Peru prägt sie die Landschaft als strukturbildendes Element und teilt sich die Strauchschicht mit Algarrobo und Zapote.

Cordia lutea, stark verzweigter Strauch des trockenen Tieflands mit gelben Trompetenblüten, die fast das ganze Jahr über die Krone bedecken.
Stark verzweigter Strauch des trockenen Tieflands, schon von weitem an den gelben Trompetenblüten zu erkennen, die fast das ganze Jahr über die Krone bedecken.

Der volkstümliche Name wechselt von Region zu Region. Muyuyo ist die gebräuchliche Form in Ecuador und auf Galápagos, während im Norden Perus overo und flor de overo im Umlauf sind. Der englischsprachige Gartenbau hat sich auf das Etikett yellow geiger festgelegt, in bewusstem Gegensatz zum orange geiger, der für Cordia sebestena steht. Im Deutschen hat sich kein volkstümlicher Name durchgesetzt, weshalb das Binomen die sicherste Bezugsgröße bleibt, wenn man die Art in Baumschulen oder Herbarien sucht.

Bemerkenswert ist Cordia lutea aus Gründen, die weit über den Zierwert hinausgehen. Sie gehört zu den wenigen neotropischen Boraginaceae mit gut dokumentiertem heterostylem Fortpflanzungssystem, sie trägt ein Netz aus tag- und nachtaktiven Bestäubern auf ozeanischen Inseln, die arm an Insekten sind, und ihre Früchte enthalten ein derart schleimreiches Fruchtfleisch, dass andine und küstennahe Gemeinschaften es als Klebstoff verwendeten. Dieses Profil führt die formale Taxonomie, die diagnostische Morphologie, die Ökologie arider Gebiete, die beschreibende Phytochemie und die historische Überlieferung der Nutzung zusammen, ohne jede Anleitung zu einer heutigen Verwendung.

Taxonomie

Cordia lutea gehört zu den Boraginaceae in der weiten Umgrenzung, die APG IV zugrunde legt, innerhalb der Unterfamilie Cordioideae. Ein Teil der Literatur behandelt die Cordiaceae als eigenständige Familie, was an der relativen Stellung der Art nichts ändert. Die Gattung Cordia vereint einige hundert pantropische Arten, mit der größten Vielfalt in der Neotropis.

  • Reich: Plantae
  • Abteilung: Tracheophyta (Bedecktsamer)
  • Klasse: Magnoliopsida
  • Ordnung: Boraginales
  • Familie: Boraginaceae Juss.
  • Unterfamilie: Cordioideae
  • Gattung: Cordia L.
  • Art: Cordia lutea Lam., 1791

Das Protolog erschien 1791 im ersten Band von Jean-Baptiste de Lamarcks Tableau encyclopédique et méthodique des trois règnes de la nature, Botanique, auf Seite 421. Der Eintrag ist im International Plant Names Index unter der Kennung 274993-2 verzeichnet, und Plants of the World Online führt das Binomen weiterhin als akzeptierten Namen, ohne dass eine Umkombination im Raum stünde.

Die Synonymie fällt lang aus, ein Nachhall der aufeinanderfolgenden Gattungsumstellungen, die die Boraginales im 19. und im 20. Jahrhundert durchliefen. Plants of the World Online erkennt rund ein Dutzend untergeordnete Namen an, darunter:

  • Calyptracordia rotundifolia (Ruiz & Pav.) Friesen
  • Coilanthera rotundifolia (Ruiz & Pav.) Raf.
  • Cordia flava (Andersson) Gürke
  • Cordia marchionica Drake
  • Cordia rotundifolia Ruiz & Pav.
  • Ectemis lutea (Lam.) Raf.
  • Firensia lutea (Lam.) Raf.
  • Gerascanthus luteus (Lam.) Borhidi
  • Gerascanthus rotundifolius (Ruiz & Pav.) Friesen
  • Lithocardium flavum (Andersson) Kuntze
  • Lithocardium rotundifolium (Ruiz & Pav.) Kuntze
  • Varronia flava Andersson
  • Varronia rotundifolia (Ruiz & Pav.) A. DC.

Eine nomenklatorische Warnung gehört an dieser Stelle festgehalten: In nicht fachlichen Quellen kursiert die Kombination Varronia lutea, Borhidi zugeschrieben, die keinem gültig veröffentlichten Namen für diese Pflanze entspricht. Die Umkombination Borhidis, die tatsächlich existiert, lautet Gerascanthus luteus.

Zur Etymologie: Der Gattungsname ehrt Valerius Cordus (1515-1544), den deutschen Botaniker und Apotheker, dessen Werk zur Materia medica in ganz Europa der Renaissance zirkulierte. Das Epitheton geht auf lateinisch luteus, gelb, zurück und verweist unmittelbar auf die Färbung der Krone, das auffälligste Merkmal der Art im Gelände.

Morphologische Beschreibung

Es handelt sich um einen dicht verzweigten Strauch oder einen kleinen Baum zwischen 2 und 8 Metern Höhe, mit offener Krone und ausladendem Wuchs. Der Stamm überschreitet selten 20 Zentimeter Durchmesser und wächst meist krumm, überzogen von grauer, fein rissiger Rinde. In den trockeneren Jahreszeiten wirft die Pflanze einen Teil oder das gesamte Laub ab, ein sommergrünes Verhalten, das je nach Niederschlagsregime der Population unterschiedlich stark ausfällt.

Blätter

Die Blätter stehen wechselständig, sind einfach und ohne Nebenblätter und messen 4 bis 10 Zentimeter in der Länge. Der Umriss reicht von eiförmig bis fast kreisrund, mit gerundeter bis stumpfer Spitze und fein gezähntem bis gekerbtem Rand. Die Oberseite fühlt sich rau an und ist nahezu kahl, während die Unterseite Haare trägt, die über Mittelrippe und Spreite verteilt sind. Der Blattstiel bleibt kurz, was den beblätterten Zweig von oben betrachtet gedrungen wirken lässt.

Blüten

Die Blüten entstehen in endständigen Trugdolden und tragen den gesamten diagnostischen Wert der Art. Der Kelch ist zylindrisch, rund 10 Millimeter lang und 5 bis 7 Millimeter breit, längs gestreift und bleibend. Die Krone ist verwachsenblättrig, leuchtend gelb und trompetenförmig, misst am Schlund 2 bis 4 Zentimeter im Durchmesser und trägt fünf bis acht ausgebreitete Zipfel. Auch die Staubblätter schwanken zwischen fünf und acht und sitzen der Kronröhre an. Der Duft ist süßlich und auf kurze Entfernung wahrnehmbar.

Die Art ist heterostyl, mit zwei Blütenmorphen, die auf verschiedene Individuen verteilt sind. Der eine zeigt einen langen Griffel und tief sitzende Staubbeutel, der andere verbindet einen kurzen Griffel mit hoch sitzenden Staubbeuteln. Diese reziproke Anordnung begünstigt den Pollentransfer zwischen einander ergänzenden Morphen, und Bestäubungsversuche belegen einen deutlich höheren Fruchtansatz bei legitimen Kreuzungen.

Früchte und Samen

Die Frucht ist eine kugelige Steinfrucht von 8 bis 12 Millimetern Durchmesser, reif weiß und durchscheinend, an der Basis dem bleibenden Kelch aufsitzend, der grün und gestreift bleibt. Das Fruchtfleisch ist reichlich schleimhaltig und haftet mühelos an Oberflächen, eine Eigenschaft mit unmittelbaren ökologischen Folgen. Der Geschmack setzt angenehm süß ein und schlägt binnen weniger Sekunden ins Bittere um. Jede Frucht birgt einen bis vier Samen, geschützt von einem harten Endokarp.

Wurzel und Stängel

Die Triebe sind lang, dünn und aufrecht, die jungen Zweige behaart, bis sie beim Verholzen ihre Haare verlieren. Die graue Rinde löst sich bei älteren Exemplaren in dünnen Platten ab. Die Pflanze treibt aus der Basis leicht wieder aus und bewurzelt sich aus verholzten Stecklingen, eine Eigenschaft, die in den Trockengebieten Ecuadors und Perus seit Langem für das Anlegen lebender Zäune genutzt wird.

Verbreitung und Lebensraum

Das natürliche Areal umfasst den Westen Südamerikas mit Kolumbien, dem kontinentalen Ecuador, dem insularen Ecuador im Galápagos-Archipel und Peru. Auf peruanischem Gebiet folgt die Art dem pazifischen Küstenstreifen und den trockenen interandinen Tälern und gehört zum Bestand der Trockenwälder von Tumbes, Piura und Lambayeque. Auf Galápagos gilt sie als einheimisch und besiedelt die aride Zone des Tieflands, mit ausgeprägter Präsenz in Küstennähe.

Außerhalb des natürlichen Areals wurde Cordia lutea auf Hawaii und auf den Marquesas eingeführt. Auf der Insel Hawaii ist sie als eingebürgert verzeichnet, und die im Archipel angewandte Risikobewertung zur Invasivität vergab an die Art eine niedrige Punktzahl, ohne dass bislang negative Auswirkungen außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebiets belegt wären. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zum Verhalten anderer Arten der Gattung auf pazifischen Inseln, was für eine fortlaufende Beobachtung spricht.

Das kennzeichnende Biom ist der saisonal trockene Tropengürtel. Die Populationen reichen von Meereshöhe bis etwa 1.500 Meter, mit vereinzelten Nachweisen in höheren Lagen der interandinen Täler. Die Pflanze gedeiht bei geringen Niederschlägen und übersteht lange regenlose Abschnitte; sie verhält sich als fakultativer Xerophyt, der rasch auf Niederschlagsschübe reagiert. Beim Substrat wächst sie auf sandigen Böden, auf den quellfähigen Tonen ehemaliger Feuchtsenken und auf Standorten mit hohem Salzgehalt, eine unter Ziergehölzen mit auffälliger Blüte seltene Toleranz.

Anbau

Die Vermehrung erfolgt über Samen und über Stecklinge, und beide Wege werden in den Renaturierungsbaumschulen Ecuadors und Perus beschritten. Die Samen zeigen eine Keimruhe, die mit dem harten Endokarp und dem Schleim rund um die Frucht zusammenhängt, weshalb das sorgfältige Entfernen des Fruchtfleischs am Anfang jeder Partie steht. Mechanische Skarifizierung und die Behandlung mit Gibberellinsäure erscheinen in der Literatur als Mittel, die Keimung zu vereinheitlichen, und peruanische Versuche zeigen, dass auch die Passage durch den Verdauungstrakt natürlicher Ausbreiter die Keimreaktion der Samen verändert.

Die Stecklingsvermehrung ist der direktere Weg zur Produktion im größeren Maßstab. Versuche in der Provinz Santa Elena an der ecuadorianischen Küste weisen auf zufriedenstellende Anwachsraten selbst ohne Bewurzelungshilfe hin, mit Ergebnissen, die den Einsatz der Art in Futterpflanzungen und lebenden Zäunen stützen. Verholztes Material reagiert gut, und die Dichte des Wiederaustriebs fällt in der Regel hoch aus.

Im Feld verlangt die Pflanze volle Sonne und gut durchlässigen Boden. Sie erträgt anhaltende Trockenheit, Salz und arme Böden, verträgt jedoch keinen Frost, was den Anbau auf tropische und subtropische Regionen ohne Minusgrade beschränkt. Nach dem Anwachsen genügen weit auseinanderliegende Wassergaben, und zu viel Feuchtigkeit im Substrat bleibt der häufigste Fehler in der Baumschule.

Angaben zu spezifischen Schädlingen sind spärlich. Auf Hawaii wurde die Art als Ersatzwirt der Lobaten Lackschildlaus bestimmt, was in den Zierpflanzungen des Archipels pflanzengesundheitliche Aufmerksamkeit auslöste. Schildläuse überhaupt treten an den Zweigen auf, wo die Belüftung schlecht ist. Geerntet wird, sobald die Steinfrucht ihre durchscheinend weiße Färbung erreicht und das Fruchtfleisch weich wird, denn dann sind die Samen bereits reif und lassen sich einfacher herauslösen.

Phänologie

Der Jahreszyklus wurde im privaten Ökologischen Reservat Chaparrí in Chongoyape, Lambayeque, zwischen Juli 2004 und Juni 2005 im Detail verfolgt. Das vegetative Wachstum läuft ganzjährig und erreicht seinen Höhepunkt zwischen Februar und April mit Werten nahe 60 Prozent. Der Austrieb konzentriert sich auf Januar bis Juni, mit einem Maximum um 20 Prozent im Januar und Februar. Die Blüte überwiegt von Dezember bis Juni, im Mittel ebenfalls in der Größenordnung von 20 Prozent, während sich die Fruchtbildung über das ganze Jahr verteilt und im August mit 14 Prozent ihr Maximum erreicht, wobei grüne und reife Früchte an derselben Pflanze hängen. Die Temperatur zeigte eine Korrelation mit allen drei Phasen.

Die Bestäubung verbindet tag- und nachtaktive Vermittler. Holzbienen sind die wirksamsten Tagbesucher, und auf Galápagos fällt diese Rolle Xylocopa darwini zu, der einzigen einheimischen Biene des Archipels und einer extremen Generalistin in den örtlichen Bestäubungsnetzen. Nachts übernehmen die Nachtfalter, die sich beim Pollentransport zwischen verschiedenen Pflanzen als leistungsfähiger erwiesen. Das Paarungssystem ist gemischt, mit vergleichsweise geringer Fruchtproduktion, die aus dem Zusammenspiel von Selbst- und Fremdbestäubung in einer insektenarmen Umgebung hervorgeht.

Die Ausbreitung erfolgt überwiegend zoochor. Vögel und Lavaechsen fressen die Früchte auf Galápagos, und das klebrige Fruchtfleisch haftet am Körper großer Tiere, Riesenschildkröten und Seevögel eingeschlossen, womit sich ein zusätzlicher epizoochorer Transportweg öffnet. Im Norden Perus frisst der Sechurafuchs, Lycalopex sechurae, die Früchte und zählt zu den belegten Ausbreitern der Art im Trockenwald.

Verwandte Arten und Verwechslungen

Innerhalb der Gattung klären Kronenfarbe und Fruchtbild die meisten Zweifel. Drei Verwandte bündeln die häufigsten Verwechslungen in Sammlungen und in der Gartengestaltung:

  • Cordia sebestena L.: die Krone ist orangerot statt gelb, die Blätter sind größer und lederiger. Diese Art trägt den gärtnerischen Namen orange geiger und kommt natürlich in der Karibik vor.
  • Cordia sinensis Lam.: kleine, cremegelbe Blüten und Früchte, die in Orange- bis Rottönen reifen, im Gegensatz zum durchscheinenden Weiß von Cordia lutea. Ihre Verbreitung ist afroasiatisch, mit vergleichbarer ökologischer Rolle in Trockengebieten.
  • Cordia subcordata Lam.: orangefarbene Krone, größere herzförmige Blätter und eine holzige Frucht, deren schwimmfähiges Endokarp der Ausbreitung über das Meer dient. Sie wächst auf den Inseln des Pazifiks und des Indischen Ozeans, wo sie mit eingeführten Beständen von Cordia lutea zusammentreffen kann.

Außerhalb der Boraginaceae betrifft die häufigste Verwechslung Tecoma stans (L.) Juss. ex Kunth aus der Familie der Bignoniaceae, deren gelbe Röhrenblüten aus der Entfernung ähnlich wirken. Die Unterscheidung gelingt sofort über die Blätter, unpaarig gefiedert bei Tecoma stans und einfach bei Cordia lutea, sowie über die Frucht, eine langgestreckte lineare Kapsel, die mit der weißen Steinfrucht der Boraginacee nichts gemein hat.

Ein Hinweis zur Bestimmung gehört ebenfalls festgehalten. Die Boraginaceae umfassen Gattungen, die lebertoxische Pyrrolizidinalkaloide anreichern, darunter Echium, Heliotropium und Symphytum. Steriles vegetatives Material von Boraginaceae lässt sich nur schwer sicher bestimmen, und Aufsammlungen ohne Blüte oder Frucht erlauben keine verlässliche Trennung von Cordia lutea und diesen Nachbarn.

Phytochemie von Cordia lutea

Am besten charakterisiert ist das chemische Profil der Blüten. Eine vorläufige phytochemische Untersuchung an Material aus Otuzco in Peru wies phenolische Verbindungen, Leukoanthocyanidine und Flavonoide als vorherrschende Stoffklassen in den durch Rückfluss gewonnenen methanolischen und ethanolischen Extrakten nach. Die Quantifizierung mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie ergab 60,63 Milligramm Rutin und 0,558 Milligramm Quercetin je Gramm Trockenprobe, womit Rutin mit deutlichem Abstand das vorherrschende Flavonoid darstellt.

Eine ältere Erhebung zur chemischen Zusammensetzung, in derselben Arbeit zitiert, fand Rutin- und Quercetinanteile in derselben prozentualen Größenordnung und verzeichnete Fettsäuren unter den Bestandteilen, mit Linolsäure, Palmitinsäure und Glycerylhexadecanoat in Gehalten nahe 0,1 Prozent. Die Analyse des floralen Ethanolextrakts mittels Gaschromatographie mit gekoppelter Massenspektrometrie erfasste zudem Butylester langkettiger Fettsäuren sowie Gibberellinsäure.

Dieselbe Erhebung wies in den untersuchten Blüten keine Pyrrolizidinalkaloide nach. Der Befund verdient Beachtung, weil diese Stoffgruppe bei den Boraginaceae häufig vorkommt und das Fehlen in einer Probe sich nicht ohne Weiteres auf andere Populationen, andere Pflanzenteile oder andere phänologische Phasen übertragen lässt.

In den Früchten bildet der Schleim den vorherrschenden Bestandteil, ein Polysaccharidkomplex, der für die zähflüssige und haftende Beschaffenheit des Fruchtfleischs verantwortlich ist. Diese Fraktion verleiht der reifen Frucht die Fähigkeit, an Oberflächen zu haften, und sie trug die weiter unten beschriebene historische Nutzung. Rinde und Blätter reichern phenolische Verbindungen an, ohne dass für sie eine ebenso genaue quantitative Charakterisierung vorläge wie für die Blüten.

Geschichte und Ethnobotanik

Lamarck beschrieb die Art 1791 formal anhand südamerikanischen Materials, zu einer Zeit, als die peruanischen Aufsammlungen von Ruiz und Pavón die europäischen Herbarien speisten. Nicht zufällig endete der von diesen beiden spanischen Botanikern veröffentlichte Name Cordia rotundifolia in der Synonymie von Lamarcks Binomen.

Die kennzeichnendsten Nutzungsbelege der Pflanze haben mit Heilkunde nichts zu tun. Der Fruchtschleim diente ecuadorianischen Gemeinschaften als Papierkleber und als Haarfestiger, eine Anwendung, die in den letzten Jahren an der Universidad Politécnica Salesiana als kosmetischer Rohstoff erneut untersucht wurde. Das Holz fand beim Bau von Booten, Kanus und einfachen Konstruktionen in den Küstenorten Verwendung. An der Küste Ecuadors wurde die Art in Futtersysteme eingebunden, wobei man sich die Dichte ihres Laubs zunutze machte, und im gesamten Verbreitungsgebiet pflanzten Landwirte sie als lebenden Zaun und schlugen sie als Brennholz. Die reife Frucht wurde roh als Wildobst gegessen, auch wenn die spät einsetzende Bitterkeit den Appetit darauf dämpfte.

Ethnobotanische Erhebungen, die in Peru zwischen den 1990er und den 2000er Jahren durchgeführt wurden, darunter die Studie in der Provinz Canta bei Lima, führten Cordia lutea unter den Pflanzen im häuslichen Repertoire andiner und küstennaher Gemeinschaften auf. Diese Bestandsaufnahmen dokumentieren das kulturelle Gedächtnis rund um die Art und stellen keinerlei Empfehlung dar. Auf Galápagos taucht die Pflanze in historischen Listen nützlicher Gewächse der ersten Siedlungen des Archipels auf, vor allem wegen der Frucht und des Holzes.

Schutzstatus

Cordia lutea wurde für die Rote Liste der IUCN bewertet und in der Einstufung von 2019, durchgeführt im Rahmen der Global Tree Specialist Group, als nicht gefährdet eingeordnet. Die Begründung stützt sich auf die weite Verbreitung, den großen Bestand und das Fehlen wesentlicher Gefährdungen im gesamten Areal. In keinem der CITES-Anhänge ist die Art aufgeführt.

Die beruhigende Lesart des Artstatus sollte die Verletzlichkeit des Lebensraums nicht verdecken. Die Trockenwälder im Nordwesten Perus und das trockene Küstenbuschland Ecuadors gehören zu den am stärksten zerstückelten Ökosystemen Südamerikas, unter dem Druck der Ausdehnung von Ackerbau und Viehhaltung, der Brennholzentnahme und der Ziegenbeweidung. Die Art kommt in beiden Ländern häufig in Programmen zur Wiederherstellung degradierter Flächen in Trockengebieten zum Einsatz, gerade weil sie sich leicht vermehren lässt und schwierige Böden erträgt.

Hinzu kommt eine mittelbare Bedeutung für den Naturschutz. In Chaparrí gehört Cordia lutea zu den Arten, die dem Weißflügelguan, Penelope albipennis, Nahrung liefern, einem im Norden Perus endemischen Vogel und einem der am stärksten bedrohten des Kontinents. Die phänologischen Studien zu dieser Nahrungsgrundlage wurden gerade deshalb angelegt, um die jahreszeitliche Verfügbarkeit der Ressourcen für den Vogel zu verstehen, was der Pflanze eine funktionale Rolle jenseits ihrer eigenen Gefährdungskategorie verleiht.

Wissenswertes

  • Die Art ist distyl: Es gibt Individuen mit langem Griffel und tief sitzenden Staubbeuteln und solche mit umgekehrter Anordnung, und der Fruchtansatz fällt nur dann reichlich aus, wenn der Pollen zwischen beiden einander ergänzenden Typen wandert.
  • Nachtfalter übertreffen die Bienen beim Pollentransport zwischen verschiedenen Pflanzen, ein widersinnig anmutendes Ergebnis für eine Blüte, die tagsüber gelb, auffällig und duftend ist.
  • Das Fruchtfleisch haftet so stark, dass es als Papierkleber und als Haarfestiger diente, und es wird weiterhin als kosmetischer Rohstoff untersucht.
  • Auf Galápagos werden die Blätter von der Motte Bucculatrix cordiaella miniert, deren Artepitheton unmittelbar auf die Wirtspflanze verweist.
  • Im englischsprachigen Zierpflanzenhandel ist die Art der yellow geiger und bildet ein Paar mit dem orange geiger, dem Namen für Cordia sebestena.

Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.

Referenzen und wissenschaftliche Studien

10 Zitierte Quellen

Basierend auf 10 zitierten Quellen (10 Ergänzende).

Alle 10 Zitierten Quellen Anzeigen
  1. Charles Darwin Foundation. Galapagos Species Checklist: Cordia lutea Lam. Charles Darwin Foundation, Puerto Ayora, Ecuador.
  2. 2007 De la Cruz, H.; Vilcapoma, G.; Zevallos, P. A. Ethnobotanical study of medicinal plants used by the Andean people of Canta, Lima, Peru. Journal of Ethnopharmacology, 111(2), 2007.
  3. International Plant Names Index. Cordia lutea Lam., Tabl. Encycl. 1: 421 (1791), ID 274993-2. Royal Botanic Gardens Kew, Harvard University Herbaria und Australian National Botanic Gardens.
  4. 2019 IUCN. The IUCN Red List of Threatened Species: Cordia lutea. Bewertung von 2019, Global Tree Specialist Group.
  5. Lamarck, J.-B. Tableau encyclopédique et méthodique des trois règnes de la nature. Botanique, Bd. 1, S. 421. Paris, 1791.
  6. 2008 Martos, J. R.; Scarpati, M.; Rojas, C.; Delgado, G. E. Fenología de algunas especies que son alimento para la pava aliblanca Penelope albipennis. Revista Peruana de Biología, 15(2), 2008.
  7. 1999 McMullen, C. K. Flowering Plants of the Galápagos. Cornell University Press, Ithaca, 1999.
  8. 2011 McMullen, C. K. Pollination of the heterostylous Galápagos native Cordia lutea (Boraginaceae). Plant Systematics and Evolution, 2011.
  9. Plants of the World Online. Cordia lutea Lam. Royal Botanic Gardens Kew, London.
  10. 2019 Venegas Casanova, E. A.; Gómez Alva, A. M.; Chávez León, A. N.; Valdiviezo Campos, J. E.; Ormeño Llanos, M.; Vásquez Corales, E. Evaluación fitoquímica preliminar del extracto metanólico y etanólico de las flores de Cordia lutea Lam. (Boraginaceae) y su capacidad antioxidante. Arnaldoa, 26(1): 359-368, 2019.
Ist die Übersetzungsqualität dieses Artikels zufriedenstellend?
Wie fanden Sie diesen Artikel?
Durchschnittsbewertung: -
Aktualisiert am

Vollständiges botanisches Profil des Muyuyo (Cordia lutea): Taxonomie, Morphologie, Lebensraum, Anbau, Phänologie, Phytochemie, Geschichte und Erhaltung.

Natugreens

Natugreens

Herbs and Medicinal Teas

Das Redaktionsteam von Natugreens vereint interdisziplinäre Fachkräfte mit Erfahrung in Forschung, Ernährung und Wissenschaftskommunikation. Unsere Mission ist es, klare, verantwortungsvolle und evidenzbasierte Inhalte bereitzustellen. Jeder Beitrag durchläuft eine redaktionelle Kuratierung und Prüfung. So stellen wir Konsistenz, Genauigkeit und Transparenz sicher.