Eugenia uniflora (Surinamkirsche): Vollständiges botanisches Profil

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Die Surinamkirsche, Eugenia uniflora L., in Brasilien Pitanga genannt, nimmt unter den südamerikanischen Obstgehölzen eine ungewöhnliche Stellung ein: Sie ist zugleich wild, häuslich und städtisch. Sie wächst von selbst im küstennahen Sandbuschwald, der Restinga, und an Waldrändern Ostbrasiliens, sie steht in den Hausgärten fast des gesamten Landes, und in warmen Städten rund um die Welt wurde sie als Hecke gepflanzt. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst den Osten und Süden Brasiliens, Uruguay, Paraguay, Bolivien und Nordargentinien.

Die Surinamkirsche, in Brasilien Pitanga genannt, wächst wild im küstennahen Sandbuschwald Ostbrasiliens und wurde in warmen Städten weltweit als Hecke gepflanzt.
Die Pitanga wächst wild im küstennahen Sandbuschwald Ostbrasiliens und wurde in warmen Städten weltweit als Hecke gepflanzt.

Die Familie der Myrtengewächse versammelt einige recht bekannte Verwandte, darunter die Guave, die Jaboticaba und die Eukalypten, und die Surinamkirsche trägt sämtliche Merkmale der Gruppe: gegenständige Blätter mit durchscheinenden Drüsenpunkten, weiße Blüten mit zahlreichen Staubblättern und eine Rinde, die sich in dünnen Platten löst. Was sie auf den ersten Blick von jedem Verwandten trennt, ist die Frucht, eine abgeflachte Beere mit sieben bis zehn tiefen Längsfurchen, die ihr den Umriss eines Miniaturkürbisses geben.

Die Gattung Eugenia zählt zu den größten der Blütenpflanzen, mit mehr als tausend akzeptierten Arten und einem Schwerpunkt in Brasilien. Innerhalb der Gattung ist Eugenia uniflora die am besten untersuchte Art und die außerhalb ihrer Heimat am weitesten verbreitete, was ihr einen doppelten Status eingetragen hat: geschätztes Obstgehölz im Hausgarten und erklärte invasive Pflanze auf Inseln und in tropischen Regionen, in die sie eingeführt wurde. Dieses Profil beschreibt die Art aus botanischer Sicht, von der formalen Nomenklatur bis zur Lage im Naturschutz.

Taxonomie

Das Binomen Eugenia uniflora L. wurde von Linné 1753 in Species Plantarum auf Seite 470 veröffentlicht und gilt weiterhin. Der Name entspricht dem Eintrag 596263-1 des International Plant Names Index, und Plants of the World Online der Royal Botanic Gardens in Kew führt ihn als akzeptierten Namen innerhalb der Myrtaceae. Die vollständige Einordnung steht unten.

  • Reich: Plantae
  • Klade: Bedecktsamer
  • Klade: Eudikotyledonen
  • Klade: Rosiden
  • Ordnung: Myrtales
  • Familie: Myrtaceae Juss.
  • Unterfamilie: Myrtoideae
  • Tribus: Myrteae
  • Gattung: Eugenia P.Micheli ex L.
  • Art: Eugenia uniflora L., 1753

Die Synonymie der Art ist umfangreich, mit rund sechsundvierzig Namen in Plants of the World Online. Dafür wirken zwei Ursachen zusammen: die große Schwankung von Farbe, Größe und Form der Früchte zwischen den Populationen, die Botaniker des 19. Jahrhunderts dazu brachte, örtliche Varianten als eigene Arten zu beschreiben, und der Umlauf kultivierten Materials fern des natürlichen Areals, aus dem unabhängige Beschreibungen in Asien und im Pazifik hervorgingen. Die in der Literatur am häufigsten genannten Synonyme folgen in alphabetischer Reihenfolge.

  • Eugenia arechavaletae Herter
  • Eugenia costata Cambess.
  • Eugenia dasyblasta (O.Berg) Nied.
  • Eugenia michelii Lam.
  • Eugenia myrtifolia Salisb.
  • Eugenia oblongifolia (O.Berg) Nied.
  • Myrtus brasiliana L.
  • Myrtus willdenowii Spreng.
  • Plinia petiolata L.
  • Stenocalyx costatus (Cambess.) O.Berg
  • Stenocalyx michelii (Lam.) O.Berg
  • Stenocalyx uniflorus (L.) Kausel, das einzige homotypische Synonym der Liste

Zur Etymologie: Der Gattungsname Eugenia wurde zu Ehren von Eugen von Savoyen (1663 bis 1736) geprägt, einem Feldherrn und Mäzen, der in Wien Gärten und botanische Sammlungen förderte. Das Epitheton uniflora verbindet das lateinische unus, eins, mit flos, Blüte, und bezieht sich auf die einzeln in den Blattachseln stehenden Blüten, auch wenn diese in der Praxis häufig zu zweit oder in kleinen Gruppen erscheinen. Der brasilianische Volksname Pitanga stammt aus dem Tupi und spielt auf das Rot der reifen Frucht an.

Morphologische Beschreibung

Ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, in den meisten Populationen 3 bis 10 Meter hoch, bei alten Exemplaren im geschlossenen Wald bis 12 Meter. Die Krone ist dicht und gerundet, die Verzweigung setzt tief an, die Zweige sind dünn und biegsam, was den häufigen Einsatz der Art für Hecken und Formschnitt erklärt. Das Wachstum ist langsam bis mäßig, und ausgewachsene Bäume tragen über mehrere Jahrzehnte.

Blätter

Die Blätter sind einfach, gegenständig und kreuzgegenständig, die Spreite eiförmig bis eilanzettlich, die Spitze kurz zugespitzt, die Basis stumpf bis schwach herzförmig. Sie messen 2,5 bis 6 Zentimeter in der Länge und 1,5 bis 3,5 Zentimeter in der Breite, sind kahl und papierartig bis leicht ledrig, oberseits dunkelgrün und glänzend. Der Blattstiel ist mit 2 bis 4 Millimetern sehr kurz. Gegen das Licht gehalten zeigt die Spreite überall durchscheinende Drüsenpunkte, Hohlräume, die ätherisches Öl speichern und beim Zerreiben des Blattes einen harzigen Duft freisetzen. Junge Triebe treiben rötlich bis bronzefarben aus, bevor sie ergrünen, ein im Gelände nützliches Erkennungsmerkmal.

Blüten

Die Blüten sind zwittrig, weiß und zart, 1 bis 1,5 Zentimeter im Durchmesser, einzeln oder in Gruppen von zwei bis vier in den Blattachseln, auf dünnen Stielen von 1 bis 2 Zentimetern. Der Kelch trägt vier bleibende Kelchblätter, die bis zur Reife an der Fruchtspitze verbleiben, die Krone vier freie, verkehrt eiförmige und genagelte Kronblätter von 8 bis 12 Millimetern. Das Androeceum vereint fünfzig bis sechzig Staubblätter mit langen weißen Fäden und gelben Staubbeuteln, ein Bündel, das der Blüte das Aussehen eines kleinen Pinsels verleiht. Der Griffel ist einzeln, der Fruchtknoten unterständig und zweifächrig.

Früchte und Samen

Die Frucht ist eine kugelig abgeflachte Beere von 1,5 bis 3 Zentimetern Durchmesser mit sieben bis zehn kräftig ausgeprägten Längsrippen, gekrönt vom bleibenden Kelch. Die Farbe wandert von Grün über Gelb und Orange zu Rot und geht in manchen Populationen bis zu einem fast schwarzen Purpur, eine Spanne, die mit den relativen Gehalten an Anthocyanen und Carotinoiden zusammenhängt. Das Fruchtfleisch ist saftig und schmelzend, süßsauer mit einem kennzeichnenden harzigen Grundton. Jede Frucht enthält einen bis zwei kugelige bis ellipsoide Samen von 5 bis 10 Millimetern, umhüllt von harzigem Gewebe. Die Samen sind rekalzitrant, sie vertragen also weder Trocknung noch längere Lagerung und verlieren binnen weniger Wochen nach der Ernte ihre Keimfähigkeit.

Wurzel und Stängel

Das Wurzelsystem ist bei jungen Pflanzen eine Pfahlwurzel und wird mit dem Alter überwiegend seitlich und faserig, konzentriert im ersten bis zweiten Bodenmeter. Der Stamm ist aufrecht und meist einzeln, bei ausgewachsenen Bäumen 15 bis 30 Zentimeter dick. Die äußere Rinde ist bei jungen Exemplaren glatt und graubraun und löst sich mit der Zeit in dünnen, unregelmäßigen Platten, wobei hellere Flecken zum Vorschein kommen. Dieses Abblättern ist bei den Myrtaceae verbreitet und hilft, die Art schon vor dem Erscheinen von Blüten oder Früchten der Familie zuzuordnen.

Verbreitung und Lebensraum

Das natürliche Areal von Eugenia uniflora erstreckt sich über den Osten und Süden Südamerikas, mit Nachweisen im Nordosten, Südosten und Süden Brasiliens, in Bolivien, im Nordosten und Nordwesten Argentiniens, in Paraguay und in Uruguay. In Brasilien ist die Art vor allem an den Atlantischen Regenwald gebunden, mit starker Präsenz in den Restingas und in den saisonalen Wäldern, und sie reicht bis in Cerrado- und Übergangsgebiete. Sie ist eine Pflanze des Unterwuchses und der Waldränder, verträgt teilweise Beschattung, fruchtet in voller Sonne jedoch deutlich besser.

Klimatisch gedeiht die Art im feuchten tropischen und subtropischen Gürtel, vom Meeresspiegel bis etwa 1.500 Meter Höhe, bei Jahresniederschlägen von 800 bis 1.500 Millimetern. Einmal etabliert übersteht sie mäßige Trockenperioden und leichte, kurze Fröste, doch strenge und anhaltende Kälte schädigt Laub und junge Triebe. Beim Boden kommt sie mit sandigen Substraten und mittelfruchtbaren Böden gut zurecht, sofern diese durchlässig sind, und bevorzugt eine leicht saure bis neutrale Reaktion.

Außerhalb ihres Heimatgebiets wurde die Surinamkirsche seit der Kolonialzeit in nahezu alle tropischen und subtropischen Regionen der Erde gebracht, zunächst als Obstgehölz für den Hausgarten, später als Zierpflanze für Hecken. In etlichen dieser Regionen ist sie aus der Kultur entwichen und hat sich eingebürgert. Die Global Invasive Species Database und örtliche Umweltbehörden verzeichnen invasive Bestände auf Hawaii, in Florida, auf den Bermudas, in Australien, in Südafrika und in der Karibik, wo die Art dichte Bestände bildet, das Licht am Waldboden verringert und die einheimische Vegetation verdrängt. Diese Fähigkeit, den Unterwuchs zu beherrschen, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von reichem Fruchtansatz, wirksamer Verbreitung durch Vögel und Toleranz gegenüber armen Böden.

Anbau

Die Vermehrung über Samen bleibt die gebräuchlichste Methode, in der Baumschule wie im Hausgarten. Da die Samen rekalzitrant sind, müssen sie vom Fruchtfleisch befreit, gewaschen und rasch ausgesät werden, am besten binnen zwei bis vier Wochen nach der Ernte, sonst fällt die Keimrate deutlich ab. Unter diesen Bedingungen laufen die Sämlinge nach dreißig bis sechzig Tagen mit hohen Raten auf. Die vegetative Vermehrung ist schwieriger: Stecklinge bewurzeln selbst mit Wuchsstoffen schlecht und ungleichmäßig, während das Abmoosen an Zweigen ausgewachsener Pflanzen besser gelingt. Um Fruchtmerkmale festzuhalten, ist die Pfropfung oder Okulation auf Unterlagen derselben Art der verlässlichste Weg, und sie zieht den Ertragsbeginn auf zwei bis drei Jahre vor, gegenüber vier bis sechs Jahren bei Sämlingen.

In geführten Pflanzungen liegt der übliche Abstand bei 4 bis 6 Metern zwischen den Pflanzen, was etwa 280 bis 625 Bäumen je Hektar entspricht. Die Art reagiert gut auf organische Substanz bei der Pflanzung und auf ausgewogene Düngung über den Zyklus hinweg. Bewässerung ist nur in der Anwachsphase sowie während Blüte und Fruchtfüllung entscheidend. Der Erziehungsschnitt formt die Krone in den ersten Jahren, und leichte jährliche Schnitte halten die Höhe in einem für die Handernte passenden Bereich, gängige Praxis dort, wo die Pflanze als 2 bis 4 Meter hoher Strauch geführt wird.

Unter den Schädlingen ist die südamerikanische Fruchtfliege, Anastrepha fraterculus, die wichtigste Einschränkung für den Frischmarkt, in manchen Regionen begleitet von Ceratitis capitata. Schildläuse und Blattläuse befallen Zweige und junge Triebe, meist mit mäßigem Schaden. Unter den Krankheiten erzeugt die Anthraknose durch Colletotrichum gloeosporioides in feuchten Phasen Flecken an Blättern und Früchten, und Baumschulen können unter Sämlingsfäule leiden. Geerntet wird von Hand, Frucht für Frucht, weil das Fruchtfleisch empfindlich ist und die Reife innerhalb derselben Pflanze ungleichmäßig verläuft. Die reife Frucht ist sehr leicht verderblich und verlangt Verarbeitung oder Gefrieren binnen ein bis zwei Tagen, eine Bedingung, die erklärt, warum der größte Teil der brasilianischen Erzeugung als Tiefkühlpüree und nicht über den Frischmarkt geht.

Phänologie

Die Surinamkirsche blüht auf Populationsebene in Massen, mit klar ausgeprägten Höhepunkten und starker Gleichzeitigkeit zwischen benachbarten Bäumen. In den tropischen Regionen Brasiliens treten zwei bis vier Blühschübe im Jahr auf, oft am Übergang von der Trockenzeit zum Beginn der Regen, während das Muster in den subtropischen Gebieten des Südens saisonal ist und sich auf das Frühjahr konzentriert. Jede einzelne Blüte ist kurzlebig: Sie öffnet sich früh am Tag, im Gleichtakt mit den übrigen, und welkt am späten Nachmittag, sodass das Bestäubungsfenster einer einzelnen Blüte nur wenige Stunden umfasst.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Apis mellifera ist in den untersuchten Populationen der häufigste Besucher und der wichtigste Bestäuber, weil sie gleich zu Beginn der Anthese eintrifft und beim selben Besuch Androeceum und Narbe berührt, doch beteiligen sich auch einheimische stachellose Bienen und Zweiflügler. Der Abstand zwischen Bestäubung und reifer Frucht ist für einen Baum kurz, dreißig bis sechzig Tage, was mehrere Ernten im Jahr erlaubt und den Eindruck erklärt, die Surinamkirsche sei stets voll behangen.

Die Ausbreitung erfolgt durch Tiere, vor allem durch Vögel. Drosseln, Bentevis, Tangaren und andere mittelgroße Fruchtfresser verschlucken die Früchte ganz und legen die Samen weit entfernt von der Mutterpflanze ab, während Kleinsäuger das Werk in kleinerem Maßstab ergänzen. Eben diese Ausbreitungsleistung trägt das invasive Verhalten der Art in den Regionen, in die sie eingeführt wurde.

Verwandte Arten und Verwechslungen

Die Gattung Eugenia versammelt in Brasilien einige hundert Arten, von denen mehrere essbare Früchte tragen und unter ähnlichen Volksnamen im Umlauf sind. Die Grumixama, Eugenia brasiliensis Lam., ebenfalls aus dem Atlantischen Regenwald, hat eine rundliche, glatte Frucht ohne Rippen, weinrot bis fast schwarz. Die Rio-Grande-Kirsche, Eugenia involucrata DC., aus dem Süden Brasiliens, bringt eine glatte, längliche rote Beere hervor, mit auffälligen Hochblättern an der Blütenbasis. Die Uvaia, Eugenia pyriformis Cambess., trägt eine gelbe, birnenförmige und samtige Frucht. Die Cagaita, Eugenia dysenterica DC., typisch für den Cerrado, hat eine gelbe, abgeflachte Frucht, deren flache Furchen mitunter täuschen, wer sie nur von Fotografien kennt. In all diesen Fällen weisen sieben bis zehn tiefe und regelmäßige Rippen zusammen mit den bleibenden Kelchblättern an der Spitze die Surinamkirsche zuverlässig aus.

Andere Verwechslungen entspringen der Nomenklatur und nicht der Morphologie. Namen wie Eugenia caryophyllata und Eugenia jambolana tauchen in älteren Texten noch auf, gehören aber zu Arten, die heute in der Gattung Syzygium stehen, einer asiatisch-afrikanischen Gattung ohne direkte Beziehung zur Surinamkirsche jenseits der Familienzugehörigkeit. Im Englischen bezeichnet das Etikett Brazilian cherry sowohl diese Frucht als auch das Holz von Hymenaea courbaril, einer Pflanze aus einer ganz anderen Familie, was in Handelskatalogen für Verwirrung sorgt. Hinzu kommt, dass zierende Myrtaceae mit roten Früchten aus Gärten aus der Ferne für eine Surinamkirsche gehalten werden können, und ein Blick auf die gerippte Frucht klärt die Frage.

Phytochemie der Surinamkirsche

Das chemische Profil der Art ist gut dokumentiert und unterscheidet sich deutlich zwischen den Organen. In reifen Früchten überwiegen Pigmente aus zwei Gruppen: Anthocyane, mit Cyanidin-3-glucosid und Delphinidin-3-glucosid als den häufigsten in rot- und purpurfrüchtigen Populationen, und Carotinoide, darunter Lycopin, Beta-Carotin und Gamma-Carotin. Dazu treten einfache Zucker, vor allem Fructose und Glucose, organische Säuren wie Citronen- und Äpfelsäure, Ascorbinsäure in zwischen den Populationen stark schwankenden Gehalten sowie eine flüchtige Fraktion, die den Duft trägt und in der Caryophyllen, Germacren D, Selina-1,3,7-trien, Alpha-Pinen und Beta-Elemen auftreten.

Die Blätter reichern ein anderes Spektrum an. Das ätherische Öl, mit einer Ausbeute von etwa 1 bis 3 Prozent gewonnen, wird von Sesquiterpenen beherrscht, allen voran Curzeren, Selina-1,3,7-trien, Germacren D und Caryophyllen, daneben Monoterpene wie Alpha-Pinen, Beta-Pinen und Limonen. Die nichtflüchtige Fraktion vereint hydrolysierbare Gerbstoffe in hoher Menge, Phenolsäuren wie Gallus- und Ellagsäure, glykosylierte Flavonole vom Typ Myricitrin und Quercitrin sowie pentazyklische Triterpene, darunter Betulin-, Oleanol- und Ursolsäure. Rinde und Zweige lagern Gerbstoffe in einem den Blättern vergleichbaren Anteil ein.

Die Samen verdienen eine gesonderte Anmerkung aus Gründen der Sicherheit, nicht der Zusammensetzung an sich: Sie reichern harzige Verbindungen an, sind nicht essbar und werden mitsamt dem anhaftenden Fruchtfleisch entfernt. Tierärztliche Berichte bringen das Verschlucken ganzer Früchte samt Samen durch Hunde mit Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung. Eine förmliche toxikologische Bewertung der Art für Heimtiere liegt nicht vor, sodass der Wissensstand zu diesem Punkt unbestimmt bleibt.

Geschichte und Ethnobotanik

Die Surinamkirsche trat 1648 in die europäische Literatur ein, als Georg Marcgrave und Willem Piso in der Historia Naturalis Brasiliae brasilianische Pflanzen beschrieben, einem Werk aus der niederländischen Expedition nach Pernambuco. Auf Aufzeichnungen dieser Art stützte sich Linné, als er das Binomen 1753 festschrieb. Der Volksname jedoch ist weit älter als jede wissenschaftliche Beschreibung: Er stammt aus dem Tupi und war unter den Völkern der Atlantikküste lange vor der Ankunft der Europäer verbreitet, und diese Völker aßen die unmittelbar im Wald gepflückten Früchte.

Chronisten und Reisende des 18. und 19. Jahrhunderts vermerkten die Pflanze auf Rodungsflächen und im Umfeld von Dörfern entlang der gesamten brasilianischen Küste und hielten einen eigentümlichen häuslichen Brauch fest: An Festtagen streute man Blätter der Surinamkirsche auf die Fußböden der Häuser, damit das Darauftreten den harzigen Duft im Raum freisetzte. Ländliche Gemeinden im Süden des Landes behielten die Gewohnheit bei, die Art als lebenden Zaun um Gemüsegärten zu pflanzen, und nutzten dabei die tief ansetzende Verzweigung und die Reaktion auf den Schnitt. Portugiesische Seefahrer brachten Samen bereits in der Kolonialzeit in die Kolonien Asiens und Afrikas, und ab dem 19. Jahrhundert breitete sich die Pflanze über die Karibik, den Pazifik und Florida aus, wo sie als Zierhecke beworben wurde, bevor sie zum Umweltproblem geriet.

Schutzstatus

Die Art wurde 2020 für die Rote Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur bewertet, mit Veröffentlichung im Jahr 2021, und erhielt die Kategorie nicht gefährdet, im ursprünglichen Kürzel LC. Die Begründung führt die weite Verbreitung in Südamerika, das Vorkommen in unterschiedlichen Lebensräumen einschließlich gestörter Flächen und die gefestigte Präsenz in Kultur zusammen. Die Art steht nicht in den Anhängen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, sodass keine Beschränkung des internationalen Handels greift.

Das bedeutet keineswegs, dass kein Druck bestünde. Die wilden Bestände konzentrieren sich im Atlantischen Regenwald, einem Biom, das den größten Teil seiner ursprünglichen Decke verloren hat und zerstückelt bleibt, was den Genfluss zwischen Teilpopulationen mindert und die in örtlichen Varianten angesammelte genetische Vielfalt bedroht. Genbanken begegnen diesem Risiko zum Teil: Die Sammlung der Empresa Pernambucana de Pesquisa Agropecuária an der Versuchsstation Itambé vereint Dutzende von Akzessionen, und brasilianische Forschungseinrichtungen unterhalten Bestände mit Material unterschiedlicher Herkunft. Außerhalb Südamerikas kehrt sich das Erhaltungsproblem um, und die Surinamkirsche findet sich dort in Programmen zur Bekämpfung invasiver Arten.

Wissenswertes

  • Linné benannte dieselbe Pflanze zweimal. Neben Eugenia uniflora veröffentlichte er Myrtus brasiliana, einen Namen, der heute als heterotypisches Synonym der Art gilt.
  • Jede Blüte lebt einen einzigen Tag. Sie öffnet sich morgens im Gleichtakt mit den Nachbarn und welkt noch am selben Nachmittag, was die gesamte Bestäubungsarbeit auf wenige Stunden zusammendrängt.
  • Das Epitheton uniflora ist in gewissem Maß ein Versehen des Autors selbst. Die Art bringt recht häufig Blüten zu zweit oder in Gruppen von bis zu vier hervor.
  • Zytogenetisch ist die Art diploid, mit 2n gleich 22 Chromosomen, und besitzt ein kleines Genom, was sie zu einem bequemen Modell in genomischen Untersuchungen neotropischer Myrtaceae gemacht hat.
  • Genau das Merkmal, das sie als Hecke wertvoll macht, nämlich die tief ansetzende dichte Verzweigung samt kräftigem Wiederaustrieb nach dem Schnitt, erschwert ihre Beseitigung dort, wo sie sich invasiv verhält.

Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.

Referenzen und wissenschaftliche Studien

8 Zitierte Quellen

Basierend auf 8 zitierten Quellen (1 Peer-Reviewed, 7 Ergänzende).

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Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (1)

  1. DOI2020 IUCN Red List of Threatened Species. Eugenia uniflora. Bewertung von 2020, veröffentlicht 2021. ↗

Ergänzende Lektüre (7)

  1. Plants of the World Online. Eugenia uniflora L. Royal Botanic Gardens, Kew. ↗
  2. International Plant Names Index. Eugenia uniflora L., Sp. Pl.: 470 (1753). Eintrag 596263-1. ↗
  3. Flora e Funga do Brasil. Eugenia uniflora L. Botanischer Garten von Rio de Janeiro. ↗
  4. World Flora Online. Eugenia uniflora L. Eintrag wfo-0000959411. ↗
  5. Global Invasive Species Database. Eugenia uniflora. Invasive Species Specialist Group, IUCN. ↗
  6. Embrapa. Pitanga, Eugenia uniflora. In: Espécies Nativas da Flora Brasileira de Valor Econômico Atual ou Potencial, Kapitel zu Nahrungspflanzen. ↗
  7. Linné, C. Species Plantarum. Stockholm, 1753. ↗
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Eugenia uniflora, die Surinamkirsche: Taxonomie, Morphologie, Verbreitung, Anbau, Phänologie, Phytochemie, Geschichte und Erhaltung im Überblick.

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