Prunus serotina Ehrh. / Amerikanische Traubenkirsche, im Deutschen Amerikanische oder Spätblühende Traubenkirsche genannt, ist ein sommergrüner Baum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), den Ehrhart beschrieben hat und der in Nordamerika heimisch ist. Es handelt sich um eine eigenständige Art, die nicht mit der gewöhnlichen europäischen Süßkirsche (Prunus avium) verwechselt werden darf. Geschätzt wegen ihres hochwertigen Holzes ebenso wie wegen ihrer medizinischen Verwendung, ist die Art seit Jahrhunderten in der indigenen und volkstümlichen Medizin Nordamerikas präsent, vor allem in traditionellen Zubereitungen bei Atemwegsbeschwerden. Am häufigsten verwendet werden die getrocknete Innenrinde und die dunklen Früchte, die für Aufgüsse, Sirupe und andere pflanzliche Präparate gesammelt werden.

In der nordamerikanischen Kräuterheilkunde nimmt Prunus serotina als Hausmittel bei Husten und anderen Atemwegsbeschwerden einen wichtigen Platz ein. Die Überlieferung führt diese Verwendung auf die cyanogenen Glykoside der Rinde zurück, vor allem auf Prunasin, dem eine hustenberuhigende und schleimlösende Wirkung zugeschrieben wird. Neuere Untersuchungen befassen sich im Labor mit der chemischen Zusammensetzung sowie mit der antioxidativen und gefäßerweiternden Aktivität von Pflanzenextrakten, doch klinische Studien am Menschen haben diese Befunde bisher nicht bestätigt. In der Küche werden die reifen Früchte, stets ohne Kern, zu Gelees und Likören verarbeitet, denen sie einen kräftigen, leicht bitteren Geschmack verleihen.
Volkstümliche und internationale Namen der Amerikanischen Traubenkirsche
Im Deutschen sind Amerikanische Traubenkirsche und Spätblühende Traubenkirsche die gebräuchlichsten Namen dieser Art, wobei der erste die nordamerikanische Herkunft deutlich macht. Eine wörtliche Übersetzung des englischen wild cherry als „Wildkirsche“ sollte vermieden werden, denn dieser Name bezeichnet im Deutschen bereits die wild wachsende europäische Prunus avium, also eine andere Art.
- Deutsch: Amerikanische Traubenkirsche, Spätblühende Traubenkirsche.
- Englisch: black cherry, mountain black cherry, rum cherry, wild black cherry.
- Französisch: cerisier noir, cerisier tardif.
- Italienisch: ciliegio nero americano, ciliegio tardivo.
- Portugiesisch: cerejeira-americana, cerejeira-de-rum, cerejeira-negra, cerejeira-negra-americana.
- Spanisch: capulí, capulín, cerezo negro, cerezo silvestre.
Botanische Synonyme der Amerikanischen Traubenkirsche
Zu den in der Literatur verzeichneten botanischen Synonymen von Prunus serotina Ehrh. gehören Cerasus serotina (Ehrh.) Loisel. und Padus serotina (Ehrh.) Borkh., außerdem der fälschlich angewandte Name Prunus virginiana auct. non L., der genau genommen eine andere nordamerikanische Traubenkirsche bezeichnet. Diese Bezeichnungen spiegeln die taxonomische Komplexität der Gruppe und die unterschiedlichen Einteilungen wider, die im Lauf der Botanikgeschichte vorgenommen wurden. Prunus serotina Ehrh. bleibt dennoch der anerkannte und in der aktuellen Fachliteratur weithin verwendete Name, wie die internationalen botanischen Datenbanken bestätigen.
Botanische Familie: Rosaceae
Die Familie der Rosengewächse (Rosaceae) ist eine große und vielgestaltige Gruppe von Blütenpflanzen mit mehr als 2.500 Arten in rund 90 Gattungen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist groß, denn sie liefert viele essbare Früchte wie Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen. Die Blüten sind meist auffällig, mit fünf Kronblättern und zahlreichen Staubblättern, und die Fruchtformen reichen von Nüsschen über Steinfrüchte bis zu Apfelfrüchten.
Als Mitglied dieser Familie teilt Prunus serotina deren allgemeine botanische Merkmale, hebt sich aber durch ihren Gehalt an cyanogenen Glykosiden ab. Diese bemerkenswerte Besonderheit der Gattung Prunus erklärt sowohl die der Rinde zugeschriebenen Wirkungen als auch die Giftigkeit von Blättern, Zweigen und Kernen. Die Rosengewächse bleiben ein ergiebiges Feld für die Entdeckung bioaktiver Verbindungen, und viele ihrer Arten werden auf mögliche Anwendungen in der Medizin und in der Lebensmittelindustrie untersucht.
Verwendete Pflanzenteile der Amerikanischen Traubenkirsche
Die Überlieferung beschränkt die medizinische Verwendung auf die getrocknete Innenrinde und behält das Fruchtfleisch reifer Früchte der Ernährung vor, während von den Blättern, die in alten Quellen zwar erwähnt werden, heute wegen ihres hohen Gehalts an cyanogenen Glykosiden abgeraten wird.
- Blätter (in der Überlieferung erwähnt, aber giftig und nicht zu empfehlen)
- Früchte (nur das reife Fruchtfleisch, ohne Kern)
- Innenrinde (nur getrocknet und sachgerecht verarbeitet)
Ethnobotanische und traditionelle Anwendungen der Amerikanischen Traubenkirsche
Die folgenden Anwendungen stammen aus der Volksmedizin und der indigenen Medizin und sind keine durch klinische Studien belegten Indikationen, sondern dienen lediglich als historisches Bild der Rolle, die die Pflanze in der Überlieferung gespielt hat.
- Aromatisierung alkoholischer Getränke (Früchte)
- Bluthochdruck (volkstümliche Überlieferung; gefäßerweiternde Wirkung nur in Laborstudien mit Fruchtextrakten beobachtet)
- Bronchitis (Rinde)
- Durchfall
- Gelees und Kompotte (entkernte Früchte)
- Gicht
- Linderung von Husten und Erkältungen (Rinde)
- Linderung von Schmerzen
- Linderung von Verdauungsbeschwerden
Therapeutische Eigenschaften der Amerikanischen Traubenkirsche
Die folgenden Eigenschaften fassen zusammen, was die Kräuterheilkunde der Pflanze zuschreibt und was Laborstudien zu beobachten begonnen haben, ohne dass eine davon in klinischen Studien am Menschen bestätigt wurde.
- Adstringierend (den Gerbstoffen der Rinde zugeschriebene Wirkung)
- Antioxidativ (in Laborstudien mit den Früchten beobachtete Aktivität)
- Entzündungshemmend (in Vorstudien untersuchte Aktivität)
- Hustenberuhigend (überlieferte beruhigende Wirkung bei Reizhusten)
- Hustenstillend (traditionell der getrockneten Rinde zugeschriebene Wirkung)
- Krampflösend (traditionelle Überlieferung)
- Schleimlösend (überlieferte Wirkung auf den Schleim)
Detailliertes phytochemisches Profil der Amerikanischen Traubenkirsche
Chemische Analysen von Rinde, Blättern, Früchten und Samen haben Substanzen verschiedener Stoffklassen nachgewiesen, allen voran die cyanogenen Glykoside Amygdalin und Prunasin sowie phenolische Verbindungen, die mit der im Labor beobachteten antioxidativen Aktivität in Zusammenhang stehen. Die Konzentration der Glykoside schwankt je nach Pflanzenteil, Jahreszeit und Verarbeitung.
- 2,3-Butandiol
- Cumarine
- Cyanogene Glykoside (Amygdalin, Prunasin)
- Flavonoide
- Gerbstoffe
- Mineralstoffe (Eisen, Kalium, Magnesium, Natrium, Zink)
- Phenolsäuren
Zubereitungsformen und Verabreichung der Amerikanischen Traubenkirsche
Die überlieferten Zubereitungen beziehen sich vor allem auf die getrocknete Rinde. Heute wird empfohlen, standardisierte Handelspräparate wie Sirupe und Tinkturen zu bevorzugen oder einen kurz ziehenden Aufguss aus getrockneter Rinde nur für begrenzte Zeit anzuwenden und eine lange Abkochung stets zu vermeiden.
- Abkochung (in der Überlieferung für die Rinde erwähnt, heute bei langer Kochdauer nicht empfohlen)
- Aufguss (getrocknete Rinde für kurze Zeit; Fruchtfleisch)
- Sirup (vorzugsweise als standardisiertes Handelspräparat)
- Tinktur (standardisiertes Handelspräparat)
Synergie mit anderen Heilpflanzen
Linderung bei Husten und Verschleimung
In der Kräuterheilkunde wird Prunus serotina häufig mit anderen schleimlösenden und beruhigenden Pflanzen in Zubereitungen kombiniert, die traditionell bei Husten und Verschleimung verwendet werden. Die Verbindung mit Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) findet sich in Rezepturen, die den Hals beruhigen sollen, wobei Süßholz eigene Gegenanzeigen wie Schwangerschaft und Bluthochdruck hat. Die Kombination mit Holunder (Sambucus nigra) ist dagegen bei Grippe- und Erkältungssymptomen überliefert, in einem Ansatz, den die Tradition als umfassender für die Atemwege ansieht.
Unterstützung der Verdauung
Bei Verdauungsbeschwerden erscheint die Amerikanische Traubenkirsche in traditionellen Kombinationen mit Ingwer (Zingiber officinale) und Pfefferminze (Mentha × piperita). Dem Ingwer schreibt die Literatur entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkungen zu, der Pfefferminze krampflösende und blähungstreibende Eigenschaften. Deshalb wird die Mischung traditionell zur Linderung von Bauchkrämpfen, Blähungen und Übelkeit verwendet, ergänzt durch die adstringierende Wirkung, die der Rinde von Prunus serotina zugeschrieben wird.
Rezepte und Anwendungsprotokolle der Amerikanischen Traubenkirsche
Kurzer Aufguss aus getrockneter Rinde bei Reizhusten
Dieser Aufguss greift die traditionell bei trockenem Reizhusten verwendete Zubereitung in vorsichtigerer Form auf. Er darf nur mit bereits getrockneter Innenrinde aus zuverlässiger Quelle zubereitet werden, die im Fachhandel erworben wurde, niemals mit frisch geernteter Rinde. Zutaten: eine kleine Menge getrocknete Innenrinde von Prunus serotina und heißes Wasser. Zubereitung: das frisch aufgekochte Wasser über die Rinde gießen, abdecken, einige Minuten ziehen lassen, ohne erneut zu erhitzen, und abseihen, dann lauwarm trinken. Menge, Häufigkeit und Dauer der Anwendung, die stets kurz sein muss, sollten individuell abgestimmt werden, deshalb vor der Anwendung den Rat einer medizinischen Fachperson einholen. Hält der Husten an, die Anwendung beenden und ärztlich abklären lassen.
Aufguss aus dem Fruchtfleisch reifer Früchte
Die reifen Früchte der Amerikanischen Traubenkirsche gelten in der Überlieferung eher als Nahrungsmittel denn als Arznei, und der daraus bereitete Aufguss ist ein aromatisches Hausgetränk ohne belegten medizinischen Zweck. Zutaten: getrocknetes Fruchtfleisch reifer Früchte, vorher von den Kernen getrennt, und kochendes Wasser. Zubereitung: das Fruchtfleisch in eine Tasse geben, mit dem kochenden Wasser übergießen, abdecken, etwa 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Die Kerne dürfen niemals zerkleinert, zerkaut oder mit aufgegossen werden, weil sie cyanogene Glykoside anreichern, und obwohl die Früchte antioxidative Verbindungen enthalten, die im Labor untersucht wurden, gibt es keinen Beleg dafür, dass dieses Getränk einen bestimmten gesundheitlichen Nutzen hat.
Rindensirup: standardisiertes Präparat bevorzugen
Der hausgemachte Rindensirup mit Honig ist in den überlieferten Quellen die bekannteste Zubereitung bei Erkältung, Halsschmerzen und Husten. Die häusliche Variante beruhte jedoch auf einer konzentrierten, lange gekochten Abkochung der Rinde, einer Praxis, von der heute abgeraten wird, weil sich der Gehalt an cyanogenen Verbindungen kaum kontrollieren lässt. Traditionelle Zutaten: getrocknete Innenrinde von Prunus serotina, Wasser und Honig. Heutige Empfehlung: statt den Sirup selbst herzustellen, standardisierte Handelssirupe bevorzugen und dabei die Dosierung laut Etikett sowie den Rat einer medizinischen Fachperson beachten. Das Produkt gehört außer Reichweite von Kindern, da die Pflanze bei kleinen Kindern nicht angewendet werden darf und Honig für Säuglinge unter einem Jahr kontraindiziert ist.
Die oben genannten Zubereitungen folgen traditionellen Überlieferungen und ersetzen keine fachliche Beratung. Vor jeder innerlichen Anwendung sind die in diesem Artikel beschriebenen Gegenanzeigen und Wechselwirkungen zu beachten.
Begleitende Therapien
Phytotherapie
In der Phytotherapie wird Prunus serotina vor allem wegen der Innenrinde geschätzt, deren standardisierte Extrakte in traditionellen Hustenrezepturen enthalten sind und als hustenberuhigend und schleimlösend beschrieben werden. Erkrankungen wie Asthma und Bronchitis erfordern jedoch eine ärztliche Diagnose und Begleitung, und die Pflanze ersetzt nicht die konventionelle Behandlung dieser Krankheiten. Die moderne Phytotherapie erkennt die Bedeutung einer sachgerechten Trocknung und Verarbeitung der Rinde an, die den Gehalt an cyanogenen Glykosiden niedrig hält, und die Pflanze ist häufig Bestandteil von Kombinationsrezepturen mit anderen Arten für die Atemwege.
Homöopathie
In der Homöopathie wird das Mittel aus der Urtinktur der Rinde hergestellt und erscheint in der klassischen Materia medica häufig unter dem Namen Prunus virginiana. Beschrieben wird es bei trockenem Reizhusten, besonders wenn er sich nachts und im Liegen verschlimmert, sowie bei einem Gefühl von Schwere oder Beklemmung in der Brust. Diese Angaben folgen dem eigenen Bezugsrahmen der Homöopathie und sind nicht durch klinische Studien belegt. Schmerzen oder Engegefühl in der Brust und Herzbeschwerden erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung und dürfen niemals allein mit Haus- oder homöopathischen Mitteln angegangen werden. Die Wahl der Potenz und der Einnahmehäufigkeit legt der Homöopath individuell fest, je nach Symptomen und Konstitution des Patienten.
Kontraindikationen und Nebenwirkungen der Amerikanischen Traubenkirsche
Toxizität und allgemeine Vorsichtsmaßnahmen
Prunus serotina enthält cyanogene Glykoside wie Amygdalin und Prunasin, die Blausäure (Cyanid), eine hochgiftige Substanz, freisetzen können, wenn das Pflanzengewebe beschädigt, zerkaut oder unsachgemäß verarbeitet wird. Prunasin steckt nicht nur in den Blättern, sondern auch in der Rinde: Die in kontrollierter Menge freigesetzte Spur Blausäure ist gerade das traditionelle Prinzip hinter der hustenstillenden Wirkung (Unterdrückung des Hustenreizes), die der Rinde zugeschrieben wird. Unterschiedlich ist die Konzentration, denn getrocknete und sachgerecht verarbeitete Rinde hat einen niedrigen Gehalt, während welke Blätter, Zweige, Fruchtkerne und frische Rinde (frisch geerntet, nicht getrocknet) einen hohen Gehalt haben und giftig sind.
Deshalb nur standardisierte Handelspräparate (Sirup, Tinktur) oder einen Aufguss aus getrockneter Rinde für kurze Zeit verwenden, niemals eine lange Abkochung, und niemals Blätter (frisch oder welk), Zweige, Fruchtkerne oder frisch geerntete Rinde verwenden. Bei anhaltendem Husten die Anwendung beenden und ärztlichen Rat einholen, da er eine Ursache haben kann, die eine Diagnose erfordert. Bei Anzeichen wie Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Verwirrtheit nach jeglichem Kontakt mit der Pflanze sofort den Notruf wählen oder eine Notaufnahme aufsuchen. In Mitteleuropa gilt die Art zudem als stark invasiver Waldbaum, weshalb von Anbau und Anpflanzung abgeraten wird, und für die Anwendung kommt ausschließlich Rinde aus dem etablierten Handel mit pflanzlichen Arzneimitteln in Frage.
Spezifische Kontraindikationen
Prunus serotina darf in Schwangerschaft und Stillzeit wegen des Risikos einer Vergiftung des Ungeborenen oder des Säuglings nicht angewendet werden, ebenso wenig bei kleinen Kindern. Menschen mit vorbestehenden Lebererkrankungen sollten die Pflanze nur mit äußerster Vorsicht und unter ärztlicher Aufsicht in Betracht ziehen, da die Leber das wichtigste Entgiftungsorgan ist. Auch wer eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Pflanzen aus der Familie der Rosengewächse hat, sollte auf die Anwendung verzichten.
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln
Prunus serotina kann mit Beruhigungsmitteln und anderen zentral dämpfenden Substanzen wie Angstlösern und Schlafmitteln in Wechselwirkung treten, deren Wirkung verstärken und übermäßige Schläfrigkeit verursachen. Vor einer Kombination der Pflanze mit Arzneimitteln sollte medizinischer Rat eingeholt werden, besonders bei Medikamenten, die auf das Nervensystem wirken, denn ärztliche Begleitung ist der sicherste Weg, unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.
Kuriositäten und historische Fakten
Wertvolles Holz
Das Holz von Prunus serotina ist in Tischlerei und Möbelindustrie wegen seiner Schönheit, seiner rotbraunen, mit der Zeit nachdunkelnden Farbe und seiner Haltbarkeit sehr begehrt und findet sich daher in edlen Möbeln, Musikinstrumenten und Schränken. Seine Qualität wird oft mit der von Mahagoni verglichen, weshalb es auf dem nordamerikanischen Markt für hochwertige Stücke sehr beliebt ist.
Invasiv in europäischen Wäldern
Außerhalb Nordamerikas verlief die Geschichte der Art ganz anders, denn die Amerikanische Traubenkirsche wurde als Zier- und Forstbaum nach Europa eingeführt und hat sich in den Wäldern Mitteleuropas invasiv ausgebreitet, vor allem in Deutschland, in den Niederlanden und in Polen. Dort untersuchen Studien, wie sie mit heimischen Arten konkurriert und das Funktionieren des Waldökosystems verändert, und von einer Anpflanzung wird abgeraten.
Indigene Nutzung
Die indigenen Völker Nordamerikas nutzten Prunus serotina auf vielfältige Weise. Aus der Rinde bereiteten sie medizinische Tees gegen Erkältungen und Husten, die Früchte aßen sie frisch, getrocknet oder zu Gelees und Getränken verarbeitet, und das Holz diente für Werkzeuge und Bauten. Die Pflanze spielte eine wichtige Rolle für den Lebensunterhalt und die traditionelle Medizin vieler Völker, was von einer tiefen Kenntnis ihrer Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten zeugt.
Charakteristischer Geschmack
Die Früchte der Amerikanischen Traubenkirsche schmecken süßsauer und leicht bitter, mit an Mandeln erinnernden Noten, die auf die geringe Menge cyanogener Glykoside zurückgehen, und werden zum Aromatisieren von Branntwein, Likören und Rum verwendet, eine Gewohnheit, an die auch der englische Name rum cherry erinnert. Essbar ist nur das reife Fruchtfleisch, während die Kerne weder zerkaut noch geschluckt werden dürfen, weil sie giftige Verbindungen anreichern.
Häufig gestellte Fragen zur Amerikanischen Traubenkirsche
Sind Amerikanische Traubenkirsche und Wildkirsche dieselbe Pflanze?
Nein, denn im Deutschen bezeichnet der Name Wildkirsche die wild wachsende europäische Prunus avium, eine andere Art, weshalb das englische wild cherry nicht wörtlich so übersetzt werden sollte. Die Amerikanische oder Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) ist eine nordamerikanische Art, die sich von der gewöhnlichen europäischen Süßkirsche unterscheidet und eine eigene Zusammensetzung sowie eigene Anwendungsregeln hat.
Ist die Amerikanische Traubenkirsche zum Verzehr sicher?
Die Sicherheit hängt vom Pflanzenteil und von der Zubereitung ab, denn getrocknete und sachgerecht verarbeitete Innenrinde hat einen niedrigen Gehalt an cyanogenen Glykosiden. Frische Rinde, Blätter (frisch oder welk), Zweige und Kerne haben dagegen einen hohen Gehalt und sind giftig. Auch die getrocknete Rinde sollte nur in standardisierten Handelspräparaten oder als kurzer Aufguss verwendet werden, für kurze Zeit und niemals als lange Abkochung. Vor der Anwendung empfiehlt sich medizinischer Rat, besonders bei Vorerkrankungen oder wenn Medikamente eingenommen werden.
Welcher Teil der Amerikanischen Traubenkirsche wird bei Husten verwendet?
Die Überlieferung verwendet die getrocknete Innenrinde, der sie eine hustenstillende und schleimlösende Wirkung zuschreibt, die mit der kontrollierten Freisetzung geringer Spuren von Blausäure aus Prunasin in Verbindung gebracht wird. Heute wird empfohlen, sie nur in standardisierten Handelssirupen und Tinkturen oder als kurzen Aufguss aus getrockneter Rinde für kurze Zeit zu verwenden und bei anhaltendem Husten ärztlichen Rat einzuholen, weil er eine Ursache haben kann, die eine Diagnose erfordert.
Darf man die Amerikanische Traubenkirsche in der Schwangerschaft verwenden?
Nein, die Anwendung von Prunus serotina ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, weil die cyanogenen Glykoside ein Risiko für das Ungeborene oder den Säugling darstellen können. Schwangere und Stillende sollten keine Heilpflanze ohne ärztliche Anleitung und engmaschige Aufsicht anwenden, und die gleiche Vorsicht gilt für kleine Kinder, bei denen die Pflanze nicht angewendet werden darf.
Hat die Amerikanische Traubenkirsche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Ja, Prunus serotina kann mit Beruhigungsmitteln und anderen zentral dämpfenden Substanzen in Wechselwirkung treten, deren Wirkung verstärken und übermäßige Schläfrigkeit verursachen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über die Einnahme jeder Heilpflanze und jedes Nahrungsergänzungsmittels, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden, und verzichten Sie auf eine Selbstmedikation mit dieser Pflanze.
Kann man die Früchte der Amerikanischen Traubenkirsche essen?
Das Fruchtfleisch reifer Früchte ist essbar und wird traditionell zu Gelees, Kompott und Likören verarbeitet, doch die Kerne reichern cyanogene Glykoside an und dürfen weder zerkaut, zerkleinert noch geschluckt werden. Auch Blätter und Zweige sind giftig, besonders im welken Zustand, und dürfen in keiner Form verzehrt werden, weder von Menschen noch von Tieren.
Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.
Referenzen und wissenschaftliche Studien
Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (6)
- PMC2013 Luna-Vázquez FJ, et al. Nutraceutical value of black cherry Prunus serotina Ehrh. fruits: antioxidant and antihypertensive properties. Molecules. 2013.
- PMC2016 Luna-Vázquez FJ, et al. Role of Nitric Oxide and Hydrogen Sulfide in the Vasodilator Effect of Ursolic Acid and Uvaol from Black Cherry Prunus serotina Fruits. Molecules. 2016.
- PMC2010 Pairon M, et al. Multiple introductions boosted genetic diversity in the invasive range of black cherry (Prunus serotina; Rosaceae). Ann Bot. 2010.
- PMC2014 Rivero-Cruz B. Simultaneous quantification by HPLC of the phenolic compounds for the crude drug of Prunus serotina subsp. capuli. Pharm Biol. 2014.
- PMC2014 Santos Pimenta LP, et al. Quantitative analysis of amygdalin and prunasin in Prunus serotina Ehrh. using (1) H-NMR spectroscopy. Phytochem Anal. 2014.
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Institutionelle Quellen (1)
- GOV1990 USDA Forest Service. Silvics of North America: Prunus serotina Ehrh.. Agriculture Handbook 654. 1990.
