Cordia sinensis ist ein mehrstämmiger verholzter Strauch, gelegentlich auch ein niedriger Baum von bis zu zwölf Metern, verbreitet in den Trockengebieten vom Sahel und vom Horn von Afrika bis zum indischen Subkontinent. Sie gehört zur Familie der Boraginaceae, also zur Verwandtschaft von Borretsch und Beinwell, nimmt darin aber die Unterfamilie Cordioideae ein, den tropischen und verholzten Zweig der Gruppe. Wer in Kenia, Somalia oder Rajasthan ein episodisch wasserführendes Flussbett entlanggeht, erkennt die Pflanze schon von weitem an ihrem rauen, graustichigen Laub und an den Büscheln orangefarbener bis roter Früchte, die an den dünnen Zweigen hängen.

Der wissenschaftliche Name führt jeden in die Irre, der aus dem Epitheton auf die Herkunft der Pflanze schließen will. „Sinensis“ bedeutet „aus China“, einem Land, in dem die Art nie natürlich vorkam, und der Irrtum entstand aus dem Material, das Jean-Baptiste Lamarck am Ende des 18. Jahrhunderts untersuchte und das mit dieser Herkunft beschriftet war. Da die botanische Nomenklatur der Priorität folgt und nicht der Zweckmäßigkeit, begleitet der geografische Fehler die Art seit über zweihundert Jahren.
Der folgende Text fasst zusammen, was die botanische Literatur über die Pflanze festhält: formale Einordnung und Synonymie, Merkmale zur Bestimmung im Gelände, Ökologie arider Standorte, Phänologie, beschriebene chemische Zusammensetzung und Erhaltungssituation.
Taxonomie
Der akzeptierte Name lautet Cordia sinensis Lam., bestätigt im International Plant Names Index unter dem Eintrag 114552-1 und von Plants of the World Online als akzeptiert geführt. Das Protolog steht im ersten Band des Tableau encyclopédique et méthodique, Seite 423, erschienen 1792. Die Gliederung folgt der von Kew übernommenen Umgrenzung:
- Reich: Plantae
- Abteilung: Streptophyta (Bedecktsamer; Magnoliophyta in der traditionellen Nomenklatur)
- Klasse: Equisetopsida (Magnoliopsida in älteren Einteilungen)
- Unterklasse: Magnoliidae
- Ordnung: Boraginales
- Familie: Boraginaceae Juss.
- Unterfamilie: Cordioideae
- Gattung: Cordia L.
- Art: Cordia sinensis Lam. (1792)
Synonyme
Die Art hat eine umfangreiche Synonymie angesammelt, das Ergebnis unabhängiger Beschreibungen an weit auseinanderliegenden Punkten eines Areals, das zwei Kontinente überspannt. Die folgenden Namen führt Plants of the World Online als Synonyme, die homotypischen sind gekennzeichnet:
- Cordia angustifolia Roxb.
- Cordia cuneata B.Heyne ex A.DC.
- Cordia gharaf Ehrenb. ex Asch.
- Cordia oblongifolia Hochst. ex A.DC.
- Cordia reticulata Roth
- Cordia rothii Roem. & Schult.
- Cordia senegalensis var. pelida DC.
- Cordia subopposita A.DC.
- Gerascanthus gharaf (Ehrenb. ex Asch.) Borhidi
- Gerascanthus sinensis (Lam.) Borhidi (homotypisch)
- Lithocardium rothii (Roem. & Schult.) Kuntze
- Quarena sinensis (Lam.) Raf. (homotypisch)
Eine Richtigstellung gehört an dieser Stelle festgehalten, weil Sekundärquellen sie schlecht wiedergeben: Cordia nevillii Alston ist kein Synonym dieser Art, sondern ein eigenständiges Taxon, beschrieben von Ceylon und in Warfas Revision von 1990 als Schwesterart anerkannt.
Etymologie
Der Gattungsname ehrt Valerius Cordus, den deutschen Botaniker und Apotheker, der zwischen 1515 und 1544 lebte und mit neunundzwanzig Jahren starb, dabei aber ein Werk hinterließ, das Linné veranlasste, ihm eine Gattung zu widmen. Das Artepitheton geht auf spätlateinisch sinensis zurück, „aus China“, und bleibt ein Zeugnis der falschen Herkunftsangabe auf dem von Lamarck untersuchten Material. Der IPNI selbst führt „China“ weiterhin als Herkunftsvermerk im Datensatz des Namens und bewahrt so die dokumentarische Spur des Irrtums.
Morphologische Beschreibung
Der Wuchs schwankt erheblich mit dem Wasserangebot. Im offenen, steinigen Buschland verhält sich die Pflanze wie ein niedriger, dichter Strauch mit verworrener Krone und Verzweigung von Grund auf, während sie entlang von Flussbetten, wo der Grundwasserspiegel für die Wurzeln erreichbar bleibt, zu einem Baum von drei bis zwölf Metern heranwächst, mit mehreren Stämmen und dünnen Zweigen, die zum Überhängen neigen. Das Gesamtbild wirkt grau, eine Folge der kurzen Behaarung und der trockenen Blattstruktur, und genau dieser Farbton hat der Art ihren geläufigen englischen Namen eingetragen.
Blätter
Die Blattstellung ist selbst am einzelnen Individuum wenig einheitlich, mal gegenständig, mal fast gegenständig, mal wechselständig, was in älteren Bestimmungsschlüsseln schon für Verwirrung gesorgt hat. Die Spreite ist eiförmig bis verkehrt eiförmig und misst zwei bis zwölf Zentimeter in der Länge und einen bis viereinhalb Zentimeter in der Breite, mit verschmälerter Basis und abgerundeter Spitze. Die Oberfläche ist kahl oder leicht behaart und stets rau im Griff, mit jenem Anklang an feines Schleifpapier, der einen großen Teil der verholzten Boraginaceae kennzeichnet. Der Blattstiel misst etwa zehn Millimeter und trägt lange, helle Haare, ein nützliches Detail bei getrocknetem Material.
Blüten
Die Blüten stehen in endständigen Trugdolden von sechs bis sieben Zentimetern, weiß oder cremefarben, mit krugförmiger Krone von acht bis neun Millimetern. Die Kelchzipfel tragen kurze, weiche Haare in gelblich braunem Ton und dunkeln nach, sobald die Blüte verblüht. Burkill hielt den süßlichen Duft der Blüten in westafrikanischen Beständen fest, ein Merkmal, das zur in der Gattung beobachteten Insektenbestäubung passt.
Früchte und Samen
Die Frucht ist eine kegelförmige Steinfrucht, die von Orange zu leuchtendem Rot reift, sieben bis zwanzig Millimeter misst und in einer auffällig ausgezogenen Spitze endet. Die Früchte sitzen in Büscheln, die schon von weitem ins Auge fallen, was die Pflanze zur richtigen Jahreszeit unverwechselbar macht. Das Fruchtfleisch ist süß und zähflüssig, beinahe gummiartig, und umschließt einen bis vier harte, runzelige, cremegelbe Samen.
Wurzel und Stängel
Das Wurzelsystem reicht tief und erschließt Wasser in sandigen Betten, eine Eigenschaft, die die Vorliebe der Art für die Ufer zeitweilig wasserführender Läufe erklärt. Die Stammrinde ist braun bis cremebraun und reißt längs zu einer dünnen Borke auf, während sie an jungen Zweigen glatt und dunkelgrau bleibt. Die Pflanze verträgt Schnitt gut und schlägt bereitwillig aus dem Stock wieder aus.
Verbreitung und Lebensraum
Das natürliche Areal umfasst ein durchgehendes Band saisonal trockener Länder, das Plants of the World Online mit der Formel „von Afrika bis zum indischen Subkontinent“ zusammenfasst. In Afrika reicht die Art vom Senegal, von Mauretanien und den Kapverden bis nach Ägypten, in den Sudan, nach Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia und Tansania und zieht sich über den östlichen Trockenkorridor hinab nach Mosambik, Simbabwe, Namibia, Botswana und in den Norden Südafrikas. Sie kommt außerdem auf Madagaskar und auf Sokotra vor. In Asien erreicht sie die Arabische Halbinsel, die Levante, Pakistan, große Teile Indiens, Sri Lanka und bis hin zu Nachweisen in Myanmar.
Der typische Lebensraum ist die trockene Ufervegetation, wo die Pflanze eine Gesellschaft mit Salvadora persica bildet, sowie offenes Buschland tiefer Lagen in ariden und semiariden Regionen. Auch Termitenhügel und Küstengebüsch gehören zu den dokumentierten Standorten. Die Agroforst-Datenbank des World Agroforestry Centre setzt das Vorkommen zwischen Meereshöhe und eintausendfünfhundert Meter an, bei mittleren Jahresniederschlägen zwischen sechshundert und eintausend Millimetern, wobei die Art in deutlich trockeneren Nischen aushält, sofern sie Grundwasser erreicht. Bevorzugt werden alluviale, sandige, rote lehmige oder felsige Böden, immer gut durchlässig.
Ein gesicherter Nachweis invasiven Verhaltens außerhalb des natürlichen Areals liegt nicht vor, und die Pflanze erscheint in der Flora e Funga do Brasil weder als einheimische noch als eingebürgerte Art des brasilianischen Gebiets.
Anbau
Die Vermehrung über Samen ist der übliche Weg und bereitet keine großen Schwierigkeiten. Die Früchte sollten geerntet werden, sobald sie ein kräftiges Orange annehmen, denn dann ist die Keimfähigkeit am höchsten, und die Agroforst-Literatur nennt Keimraten von bis zu achtzig Prozent bei gut behandelten Partien. Die Samen verhalten sich bei der Lagerung orthodox, lassen sich also trocken und kühl über lange Zeiträume ohne deutlichen Verlust an Keimkraft aufbewahren, und ein Kilogramm umfasst rund sechstausendfünfhundert Stück. Die vegetative Vermehrung über verholzte Stecklinge wird in Baumschulen arider Zonen praktiziert, ist aber schlechter dokumentiert als der Weg über Samen.
Die Ansprüche bei der Pflanzung sind bescheiden und spiegeln die Ökologie der Art wider. Volle Sonne ist Pflicht, der Boden muss das Wasser rasch ableiten, und dauerhafte Staunässe im Wurzelbereich ist der Fehler, der Jungpflanzen in der Baumschule am häufigsten zugrunde richtet. Die Pflanze erträgt extreme Hitze und lange regenlose Phasen, verträgt jedoch keinen Frost, was den versuchsweisen Anbau auf Regionen mit milden Wintern beschränkt. Das Wachstum ist für eine Trockenlandart einigermaßen zügig.
In der Bewirtschaftung nimmt die Art Astung, Kronenrückschnitt und Kahlhieb an und schlägt kräftig aus dem Stock wieder aus, eine Eigenschaft, die sie für Agroforstsysteme arider Länder brauchbar macht. Die herangezogene Agroforst-Datenbank führt weder Schädlinge noch Krankheiten von wirtschaftlichem Gewicht für die Pflanze auf. Der eigentliche Druck im Gelände ist der Verbiss: Ziegen, Schafe, Rinder und Kamele suchen das Laub gezielt auf, und junge Pflanzungen ohne physischen Schutz kommen selten davon. Die Fruchternte folgt der ungleichmäßigen Reife der Büschel und verlangt meist mehr als einen Durchgang an derselben Pflanze.
Phänologie
Die Fortpflanzungszyklen der Art folgen dem Regenregime und zeigen in Ostafrika zwei Höhepunkte im Jahr. Die Blüte konzentriert sich auf Dezember bis Februar, mit einem zweiten Schub im August, und die Fruchtreife reicht von April bis Juni und wiederholt sich im Dezember. Diese Zweigipfeligkeit erklärt, warum sich in ein und demselben Bestand häufig blühende Individuen neben anderen finden, die bereits voller reifer Früchte hängen.
Die kleinen, weißen, duftenden Blüten ziehen Insekten an, das in Cordia vorherrschende Bestäubungsmuster. Die Ausbreitung ist ausgesprochen zoochor: Affen, Paviane und Vögel fressen das zuckerhaltige, zähe Fruchtfleisch und wirken als wichtigste Verbreiter der Samen, was die Verteilung der Pflanze entlang von Uferkorridoren mit erklärt, also genau entlang der Wege, die diese Tiere ziehen.
Verwandte Arten und Verwechslungen
Wer Cordia sinensis im Gelände bestimmen will, muss auf eine Handvoll Pflanzen achten, die den Lebensraum oder den allgemeinen Habitus mit ihr teilen:
- Cordia africana Lam.: ein deutlich größerer Baum mit weiter Krone und großen, herzförmigen Blättern und auffälligen rispigen Blütenständen. Er besiedelt feuchtere Hochländer, nicht die trockenen Betten tiefer Lagen.
- Cordia myxa L.: die häufigste Verwechslung, vor allem in Indien und Pakistan, wo die Früchte mehrerer Cordia-Arten denselben volkstümlichen Namen tragen. Sie unterscheidet sich durch die größere Statur, die breiteren Blätter und die größeren Früchte mit reichlich schleimigem Fruchtfleisch.
- Cordia nevillii Alston: die Schwesterart. Warfa wies 1990 nach, dass das zuvor als eine einzige Einheit behandelte Material in Afrika zwei Taxa entspricht, wobei C. nevillii vor allem auf das somalisch-massaiische Gebiet beschränkt ist und außerdem in Südarabien, Indien und auf Ceylon vorkommt. Die Trennung stützt sich auf feine Blüten- und Blattmerkmale, und Material ohne Blüten reicht meist nicht zur Entscheidung.
- Salvadora persica L.: die ständige ökologische Begleiterin in denselben Trockenbetten und damit die wahrscheinlichste Verwechslung aus der Entfernung. Ihr Laub ist ebenfalls blass, doch die Blätter sind fleischig, gegenständig und glatt, die Früchte winzige kugelige Beeren, und die Familie ist eine andere, die Salvadoraceae.
- Ziziphus mauritiana Lam.: ein Strauch ähnlicher Größe in denselben ariden Landschaften, sofort zu trennen an den paarigen Dornen an den Knoten und an den Blättern mit drei von der Basis ausgehenden Nerven. Er gehört zu den Rhamnaceae.
Phytochemie von Cordia
Die für die Art veröffentlichte chemische Charakterisierung dreht sich um phenolische Verbindungen. Eine Untersuchung an oberirdischen Teilen von Material aus der Umgebung von Riad isolierte neun Substanzen aus der Ethylacetat-Fraktion des methanolischen Extrakts, unten in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:
- trans-Kaffeesäure
- Protocatechusäure
- Rosmarinsäure
- Kaempferid-3-O-β-D-glucopyranosid
- Kaempferid-3-O-α-L-rhamnopyranosyl-(1→6)-β-D-glucopyranosid
- Kaempferol-3-O-β-D-glucopyranosid
- Kaempferol-3-O-α-L-rhamnopyranosyl-(1→6)-β-D-glucopyranosid
- Quercetin-3-O-β-D-glucopyranosid
- Rosmarinsäuremethylester
Rosmarinsäure und ihr Methylester verdienen aus chemotaxonomischer Sicht eine Anmerkung, denn die Anreicherung dieser Phenolsäure ist ein weit verbreiteter Zug der Boraginaceae und taucht in mehreren Gattungen der Familie wieder auf. In der Gattung Cordia insgesamt gilt ein anderer Stoffkreis als meistdiskutierter chemischer Marker: die meroterpenoiden Chinone, eine Gruppe, die die Cordiachrome und das Cordiachromen umfasst und die die Naturstoffliteratur als Signatur der Gattung behandelt. Diese Chinone reichern sich vor allem in Holz und Wurzeln der daraufhin untersuchten Arten an.
Zwei Beobachtungen runden das Bild ab. Das Fruchtfleisch verdankt seine zähe Konsistenz schleimhaltigen Polysacchariden, und der Stamm sondert ein klares Gummi ab, beides beschreibende Merkmale der Pflanze und keine Aussage über irgendeine Wirkung. Was die Pyrrolizidinalkaloide angeht, die in anderen Unterfamilien der Boraginaceae häufig sind, so enthält die herangezogene Literatur keine veröffentlichte Charakterisierung solcher Verbindungen für Cordia sinensis, sodass entsprechende Zuschreibungen aus Sekundärquellen ohne nachprüfbare analytische Grundlage bleiben.
Geschichte und Ethnobotanik
Lamarck beschrieb die Art 1792 anhand von Material, dessen vermerkte Herkunft auf China verwies, woraus das bis heute geführte Epitheton entstand. Im Lauf des 19. Jahrhunderts beschrieben Sammler, die in Indien, im Sudan, in Äthiopien und im Senegal arbeiteten, dieselbe Pflanze immer wieder unter neuen Namen, und daraus ging die oben verzeichnete umfangreiche Synonymie hervor. Erst 1990, mit der im Nordic Journal of Botany erschienenen Revision von Ahmed Mumin Warfa, wurde der Komplex neu geordnet und das Paar nahe verwandter Arten klar abgegrenzt.
Die volkstümlichen Namen zeichnen die kulturelle Landkarte der Pflanze nach. Auf Somali heißt sie marer oder mareer, auf Suaheli mkamasi und mnya mate, im Sudan und in arabischen Mundarten gharaf, der Name, aus dem das Synonym Cordia gharaf hervorging, und in Rajasthan gondi. Im Englischen kursiert sie als grey-leaved cordia oder grey-leaved saucer berry. Einen eingebürgerten deutschen Volksnamen gibt es nicht, und graublättrige Cordia dient hier als beschreibende Übertragung des geläufigen englischen Namens.
Der beständigste ethnografische Befund ist ein Ernährungsbefund. Hirten- und Agrarhirtengemeinschaften Ostafrikas und Nordwestindiens aßen die Früchte frisch, nutzten das süße Fruchtfleisch zum Süßen von Getreidebreien, bereiteten Getränke daraus und ließen es vergären, mitunter zusammen mit Tamarinde. Auch das vom Stamm abgesonderte Gummi ging in die Ernährung ein. Als Futterpflanze nahm die Art einen zentralen Platz in den Weidesystemen der Trockenländer ein und diente Ziegen, Schafen, Rindern und Kamelen genau in den Monaten als grüne Reserve, in denen die krautige Weide verschwindet. Das Holz, hart und engfaserig, wurde zu Werkzeugstielen, Gehstöcken, Keulen, Löffeln, Rührstäben, Hockern und Bauteilen für den ländlichen Bau verarbeitet.
Ein Sicherheitshinweis begleitet den historischen Befund und gehört ausdrücklich in die Gegenwartsform: Agroforst-Datenbanken, die die Art erfassen, weisen auf ein abortives Risiko im Zusammenhang mit häuslichen Zubereitungen aus der Wurzel hin. Der Punkt steht hier als Warnung, ganz ohne Angaben zur Zubereitung, und nichts in diesem Profil beschreibt oder empfiehlt eine Anwendung der Pflanze bei Menschen oder Tieren.
Schutzstatus
Die von der Roten Liste der IUCN zusammengetragene globale Einstufung führt Cordia sinensis als nicht gefährdet, Kategorie LC. Die Begründung ist geradlinig: Das Areal ist riesig, die Art ist in weiten Teilen davon häufig, und keine dokumentierte Nutzung erreicht ein Ausmaß, das die Bestände global gefährden könnte. Eine CITES-Beschränkung besteht nicht.
Das bedeutet keineswegs, dass lokaler Druck fehlte. Die Verschlechterung der Ufergehölze arider Regionen, anhaltende Überweidung, Brennholzentnahme und die Umwandlung von Auen in Ackerland verringern die Bestände an bestimmten Punkten des Sahel, des Horns von Afrika und Nordwestindiens. Das Bild verdient Aufmerksamkeit, denn die Pflanze ist ein funktionaler Baustein dieser Ökosysteme: Sie festigt sandige Ufer, spendet Schatten, ernährt ausbreitende Tierarten und trägt die Herden durch die kritische Jahreszeit.
Programme zur Wiederherstellung von Trockenländern sowie Genbanksammlungen in Indien und Ostafrika nehmen die Art nach und nach auf, die in indischen agronomischen Veröffentlichungen als unterschätzte Obstpflanze heißer arider Regionen behandelt wird.
Wissenswertes
- Das Epitheton sinensis verweist auf ein Land, in dem die Pflanze nie wild wuchs. Der Herkunftsfehler kam mit der Erstbeschreibung von 1792 in die Welt, überdauerte durch die nomenklatorische Priorität und steht bis heute in den Herkunftsvermerken des IPNI.
- Die Gattung Cordia ehrt Valerius Cordus, der 1544 mit neunundzwanzig Jahren starb und dennoch ein pharmakobotanisches Werk hinterließ, das einflussreich genug war, um zwei Jahrhunderte zu überdauern und zum Gattungsnamen zu werden.
- In den Trockenbetten Ostafrikas heißt Cordia sinensis zu finden fast schon, Salvadora persica zu finden. Die beiden bilden ein so beständiges ökologisches Paar, dass eine bei raschen Vegetationsaufnahmen als Zeiger für die andere dient.
- Ein Kilogramm Samen umfasst rund sechstausendfünfhundert Stück, und das orthodoxe Lagerverhalten erlaubt es, sie über ganze Saisons aufzubewahren, ein wertvoller Zug in Wiederherstellungsprogrammen, die von unregelmäßigen Ernten abhängen.
- Bis 1990 arbeiteten Botaniker mit einer einzigen Art dort, wo heute zwei anerkannt sind. Warfas Revision trennte C. sinensis von C. nevillii und zeichnete die Verbreitungskarten beider in Afrika und Asien neu.
Hinweis: Dieser Inhalt dient nur zur Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie vor der Anwendung von Heilpflanzen einen Arzt oder Phytotherapeuten, insbesondere in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Einnahme von Medikamenten.
Referenzen und wissenschaftliche Studien
Alle 9 Zitierten Quellen Anzeigen
Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (2)
- DOI2011 Al-Musayeib, N.; Perveen, S.; Fatima, I.; Nasir, M.; Hussain, A. Antioxidant, Anti-Glycation and Anti-Inflammatory Activities of Phenolic Constituents from Cordia sinensis. Molecules, 16(12), 10214-10226. 2011. ↗
- DOI1990 Warfa, A. M. Taxonomy and Distribution of Cordia sinensis and C. nevillii (Boraginaceae), a Widespread Species Pair in Africa and Asia. Nordic Journal of Botany, 9(6), 649-656. 1990. ↗
Ergänzende Lektüre (7)
- 1994 Beentje, H. J. Kenya Trees, Shrubs and Lianas. National Museums of Kenya, Nairobi. 1994.
- 1985 Burkill, H. M. The Useful Plants of West Tropical Africa, 2. Aufl. Royal Botanic Gardens, Kew. 1985.
- IPNI. International Plant Names Index: Cordia sinensis Lam., Eintrag 114552-1. Royal Botanic Gardens Kew, Harvard University Herbaria und Australian National Botanic Gardens. ↗
- 2020 IUCN. The IUCN Red List of Threatened Species: Cordia sinensis, Kategorie nicht gefährdet (LC). 2020. ↗
- Lamarck, J.-B. Tableau encyclopédique et méthodique des trois règnes de la nature. Botanique, Band 1, S. 423. Panckoucke, Paris. 1792.
- 2009 Orwa, C.; Mutua, A.; Kindt, R.; Jamnadass, R.; Anthony, S. Agroforestree Database: a Tree Reference and Selection Guide, Version 4.0. World Agroforestry Centre. 2009.
- POWO. Plants of the World Online: Cordia sinensis Lam. Royal Botanic Gardens, Kew. ↗
